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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 9 (1897) · p. Seite 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
9 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 137 (sequence 9)
Language
German
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- 137 — steht, miö öatz die Begierde des Körpers beherrscht werden müsse vom Geiste. (Selbstbeherrschung!) Das wichtigere am Menschen ist eben nicht der Körper, der von Erde ist und Zn Erde wird, sondern der Geist, der von Gott ist und Zu Gott Zurückkehrt; der Geist lebt nur kurze Zeit im Körper, aber er hat ein ewiges Leben in Gott — und daran sollte der inmitten des Gartens stehende Baum des Lebens mahnen. So waren die beiden wunderbaren Bäuine nur nutzere Zeichen, Sinnbilder (Svmbole), also für das Auge; aber Adam sollte an ihre Bedeutung denken, sich tin Gehorsam alben, sich beherrschen lernen. Aber wenn auch Gottesfurcht die höchste Weisheit ist, so reicht ste allein für den Menschen noch nicht aus: wir sollen auch die Dinge, die uns umgeben, kennen lernen, sie betrachten und mit uns vergleichen. Dadurch bereichern wir unsere Kenntnisse, unsere Sprache, unser Denken. Auch darin ist schon in Adam ein Dorbild gegeben. Nicht bloß das Daradies mit all seinen Gewächsen lernte er kennen 11116 behandeln, sondern auch di) Giere, wie Gott ihm deu Garten Eden Zum Bebauen und Behüten übergebe!' hatte, so führte er ihm auch die Giere Zu. Adam beobachten alle nach ihrem Aussehen, nach ihren Eigentümlichkeiten und Gewohnheiten und gab ihnen danach ihre Namen; und diese Namen behielten sie. Dadurch bereicherte er aber auch seine Sprache. Gr verglich weiter die.Giere unter einander und fand ihre Verschiedenheiten; er verglich sie endlich mit sich selbst imd fand den gewaltigen Unterschied Zwischen dem Giere und dem Menschen. Durch alles dies lernte er urteilen und denken. So hatte er denn auch bald gefunden, daß unter allen Gieren keines sei, datz dem Menschen auf die Dauer ein Gesellschafter, oder auch uur ein wirklicher Helfer sein könnte. Der Mensch sehnte sich nach einem Menschen. Da erschuf Gott das Weib, und Zwar aus der Rippe des Mannes; wie sich die Rippe an der Seite des Mannes befindet, so soll das Weib dem Manne Zur Seite stehen „als Gehilfin," wie die Bibel ausdrücklich sagt; also nicht als Herrin über ihm, und nicht als Sklavin unter ihm, sondern als Gehilfin neben ihm. So lebten Adam und Gva sorglos und glücklich, da sie alles hatten, was für ihren Körper und ihren Geist notig war. Sie lebten frei und ungezwungen, wutzten nichts von Furcht cder Scham, obgleich sie nackt waren, ganZ wie die Tiere des Paradieses, oder wie die unschuldigen Kinder. Aber es kam bald anders. Deu Unterschied von Gut und Böse fauniß der Mensch auch bisher. Gr wutzte es: der Gehorsam war das Gute, der Ungeborsam das Böse. Aus eigener Erfahrung kannte er freilich nur das Gute, deu Gehorsam; nachdem er sich aber hatte verführen lassen, von der verbotenen Frucht Zu essen, kannte er auch das Böse aus eigener Erfahrung. Und so war seine Erfahrung auch durch das Böse reicher, und er selbst klüger geworden; denn durch

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