Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 9 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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134 „$ol nrich der Teufel," fluchte der erste, in denr Daniel jetzt deutlich den Landsknecht erkannte, „wenn ich nicht dafür gesorgt hätte, daß die wüchse kein Feuer giebt. Aber jetzt ist Zeit zum Aufbruch, wenn wir nicht womöglich zu spät am Platze sein wollen." Daniel wartete, bis die Tritte der Männer verhallt waren, dann schlich er sich in entgegengesetzter Richtung davon, bis er sich in genügender Entfernung von den Männern glaubte. In einem weiten Bogen lief er jetzt durch Wald und Dickicht in der Richtung auf die StaM zu. Den Hügel zu erreichen, den die Räuber bezeichnet hatten, war sein erster Gedanke. Gr kannte den Hügel wohl und wußte genau, daß dieser eine vorspringende mit jungen Birken bestandene Kuppe hatte, von der aus man den Hauptweg bis fast zur StaM, aber auch den sich abzweigenden Bebenweg überschauen konnte. Am den verbrecherischen plan zu vereiteln, mußte er den Hügel schnell zu erreichen suchen. Seine Aufregung beflügelte seine Schritte, und ohne der Schrannnen zu achten, die ihm die Dornen beibrachten, rann er durch Gebüsch und Gestripp, setzte er über Furchen und Gräben, unaufhaltsam aus den Hügel zueilend, bis er erschöpft und atemlos an der der Stadt zngewendeten Seite des Hügels angelangt war. Immer tiefer sank die Sonne, immer länger wurden die Schatten, in einer Stunde mußte es Abend sein. Das enge Stadtthor, dessen llmriffc Daniel von seinein Versteck aus noch ziemlich deutlich sehen konnte, mußte jeder passieren, der die Stadt verließ, welchen der beiden Wege er innner wählen mochte. Auf diesen Punkt heftete Daniel, sich unter einem Erlengebüsch sorgfältig verbergend, unverwandt den Blick. wie eine Ewigkeit kam ihm die Zeit vor, die er da in banger Erwartung zubrachte. Endlich, als die Sonne eben untergeht, gewählt Daniel einen Reiter auf dem Rücken eines großen Schimmels. Das ist der Graf, denkt der Knabe, und ohne sich zu besinnen, springt er aus dein Versteck hervor, und in mächtigen Sätzen rennt er denr nun daher galoppierenden Reiter entgegen und ruft: „Gnädigster Herr Graf! Herr Graf!" Doch der Reiter scheint ihn nicht Zu hören oder beachten zu wollen. Seine letzte Kraft zusammennehmend, sucht Daniel den Steg zu erreichen, in den der Reiter einbiegen zu wollen scheint. An der Mündung des Steges in den Hauptweg angelangt, sinkt der Knabe in die Kniee und ruft mit erhobenen Händen: „haltet ein, Herr Graf! haltet ein!" Jetzt hat der Reiter den Knaben bemerkt, er zuckt zusannnen und zwingt das feurige Roß zum Stehenbleiben. Dieses bäumt sich hoch auf, aber Daniel springt von dem Boden auf, fällt dem Pferde in die Zügel und keucht: „Herr Graf, Räuber, Mörder!" „was willst Du, Bube, bist Du toll!" herrscht der Graf ihn an. Mit wenigen raschen Worten hat der Knabe ihm sein Verhalten gedeutet. Der Graf griff erschreckt nach seiner Pistole- und betrachtete sie, während sein Gesicht sich entfärbte, „ha!" rief er, „man hat die Zündhütchen entfernt!