Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 9 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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131 Gott, bald zu schauen den Glanz Deiner Herrlichkeit . . . Und der Ewige wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig." Das zweite Gebet ist das Kaddisch-Gebet für Waisen. Glücklich möget ihr euch schätzen, liebe Kinder, wenn eure Eltern in voller Kraft euch beschützen und beschirmen; aber bei alledem könnt ihr euch wohl denken, wie es dem Trauernden zu Blute ist, wenn andere gleichgiltig sich entfernen, während er für das Seelenheil der Dahingeschiedenen betet, wobei doch die anderen stets das Auren erwidern sollen. Beachtet, liebe Kinder, was ich euch hier gesagt, und wenn ihr dar Gotteshaus betretet, so machet es wie die fronnne Hanna; Betet in eurem Herzen, eure Lippen mögen sich bewegen, aber eure Stimme werde nicht gehört. Stets aber denket an den Satz: „Schweigen ist schön in der Stunde der Andacht." Erzählung von E. planier. (Fortsetzung.) Der Sonnner verging und mit ihm die Zeit mannigfacher Arbeiten. Da gab «.s gar viel zu thun im Garten, auf dein Felde, auch mußte Ulaterial zu den holzarbeiten und Holz zuin Heizen für den Winter herbeigeschafft werden. Das war für Daniel eine Lust, dem guten Vater, der die Krankheit zwar schon überstanden, aber noch immer nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, Helsen zu können. Auch durfte er während der Sonnnermonate den Großvater öfter in die Stadt begleiten und sein Bündel tragen. Auf diesen gemeinsamen Wegen machte ihn Eli mit den örtlichen Verhältnissen der Gegend so vertraut, daß der Knabe jeden Weg und Steg, jeden Graben und jeden Hügel kannte. In das Haus Gabriels kam öfter der Landsknecht Waldemar, der in den Diensten des Grafen stand. Ihm oblag es, von den Gutsinsassen des Grafen die Steuern einzuziehen und auch den Leibzoll von den dem Edelmanne gehörenden Juden zu erheben. Er ließ sich gern Bitter Waldemar nennen. Unter diesem Namen kannte ihn groß und klein in der ganzen Gegend. Nirgend war er ein gerngesehener Gast. Sein Wesen war rauh und unzugänglich, und er versah sein Amt mit einer solchen Strenge, daß man ihn lieber gehen als kornmen sah. Sein schroffes, ja rücksichtsloses Auftreten entsprach weder derr Wünschen des Edelrnannes, noch denen dev Steuerzahler, die bei aller Strenge, mit der der Graf die Steuern beizutreiben wußte, diesen: ihre Liebe und Anhänglichkeit doch nicht versagen konnten. Das Haus Gabriel zumal bewahrte ihm als dem Schutzherrn aufrichtige Verehrung und Treue.