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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 9 (1897) · p. Seite 130

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
9 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 stehen, ohne zu wissen, daß ihr es dürft. Ziehet ihr vor einem Fürsten, so werdet ihr euch wohl hüten, auch nur nüt einer INiene anzudeuten, daß eure Gedanken irgendwo anders weilen. Und sollte euer Bruder, den ihr viele Zahre nicht gesehen, gerade in diesen: Augenblicke vor euch erscheinen, so werdet ihr doch vor eurem Herrn stehen bleiben und vollständig bei der Zache sein. — Nun stehet ihr. vor Gott, den: Herrn, dem Könige aller Könige, der die Zukunft bestimmt. Zhr betet zu ihm, er möge die Not der Gurigen lindern, einen kranken Verwandten heilen, euch geistig und körperlich wachsen lassen, und da plaudert ihr mit eurem Nachbar über Dinge, die oft so gleichgültig sind, daß man im Gotteshause kaum an sie öenkcn dürfte. Aber nicht bloß wörtlich ist der Zatz zu verstehen! „Schweigen ist schön in der Ztunde der Andacht/' Gin lateinischer Zatz lautet: „Zudem sie schweigen, sprechen sie laut." Auch ich rufe euch zu: „Indem ihr still euer Gebet veriichtet, rufet ihr mit lauter Ztimme Gott an." Unsere Weisen bringen hierbei euch den Zatz von der Hanna, der Ulutter Zamuels, in Erinnerung, welcher rautet: „Hanna betete in ihrem Herzen, nur ihre Rippen bewegten sich, ihre Ztimme aber wurde nicht gehört." (San:. K. \/5). So sollt ihr beten, so sollt ihr mit eurem Schöpfer sprechen, wenn ihr ihn: eure Wünsche vorbringet. Das laute Beten hindert uns, selbst andächtig zu sein, und stört den Nachbar in seiner Andacht. Za wenn ihr noch alle zu gleicher Zeit dasselbe beten wolltet! Aber der eine kommt einige Zeit nach Beginn, der andere gegen Ende des Gottesdienstes, und jeder sucht so schnell als möglich den Vorbeter „einzuholen". — Welch' Wirrwar entsteht gerade bei den: Gebete, das durch seine Heiligkeit diesen Namen „LoäuZebab" führt: Anstatt, wie es in: Gebete selbst heißt, in: Wechselgesange mit dem Vorbeter zu bleiben, schreit jeder sein „Heilig, heilig, heilig" so laut und so schnell er kann, obgleich doch heutzutage durch den Ghorgesang jeder Gelegenheit findet, in: Schritt zu bleiben. — Also immer recht leise und gemeinsam beten! Aber noch ein drittes, liebe Kinder, bedeutet der Satz, den ich euch heute genannt habe. Zhr habt in: Gotteshause zu Beginn zu erscheinen und bis zum Schluffe auszuharren. Zch will euch noch einn:al die Vergleichung mit Wenschen bringen. Wenn ihr geladen seid, oder ihr ladet euch selbst zu Gaste, werdet ihr da ohne Grund später kon:n:en und ohne Grund früher gehen? Zch sage: „ohne Grund!" Denn wenn ihr wirklich verhindert seid, so wird euch niemand Vorwürfe machen, wenn ihr euch verspätet oder das Gotteshaus früher verlasset. Glaubet aber ja nicht, daß es „fein" ist, immer und innner zu spät zu komn:en oder gar vor Schluß fortzugehen. Gerade am Ende des Gottesdienstes sind zwei Gebete, die niemand versäumen sollte. Zm Glenu-Gebet heißt es! Wir beugen das Knie und bücken uns und bekennen vor den: Könige aller Könige, gelobt sei er . . . Wir hoffen auf dich, Ewiger, unser

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