Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 8 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9620171-9626621-9621791--0570-9621802- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
123 Verpflanzung dieser Gelehrtenfamilie nach Deutschland den Grund gelegt zu dem Talmudstudium, das sich später an den Rheinufern so sehr entwickelte. Zum Schlüsse sei noch eine Anekdote aus der Zeit Karl des Großen mitgeteilt, die jedenfalls auf den jüdisch-orientalischen Handel Hinweisen will. Der Bischof Richulf, der von 787—8\5 das Wainzer Erzstift regierte, war beim Kaiser Karl nicht gut angeschrieben. Dieser Kirchenfürst war nänllich ein Kuriositätensammler und hatte einen allezeit offenen Beutel für Seltsamkeiten jeder Art, während sein Ohr für die Bitten der Armen verschlossen blieb. Zu ihm begab sich der oben erwähnte Isaak im Aufträge Karls und bot ihm eine gewöhnliche Hausmaus, die er mit verschiedenen Spezereien einbalsamiert hatte, als kostbares und höchst seltenes Tier aus Judäa zum Kaufe an. Der Bischof wünschte eine solche Seltenheit zu besitzen und bot ihm zuerst 3 Pfund Silber, dann 20 Pfund, zuletzt sogar ein volles waß Silber, für welchen ungeheuren Preis Isaak ihm endlich das Tier überließ. Triumphierend brachte dieser die Summe zum Kaiser. Der ließ sie in der nächsten Ratsversammlung herbeibringen, erzählte den Vorgang und knüpfte daran eine ernste Strafpredigt gegen die Geistlichen, die der Eitelkeit und dem leeren Schein so vieles Opfern, den Armen und dem Herrn so wenig. Der Bischof siel dem Kaiser zu Füßen und gelobte Besserung. Gehört diese Erzählung war in das Reich der Fabel, so ist es doch charakteristich für den Gesichtskreis des Erzählers — des „wönchs von Sankt Gallen," der sie mit köstlichem Behagen berichtet — daß es. für ihn ebenso wie für seine Leser selbstverständlich war, das ein Jude regebnäßig nach Palästina fährt, um von dort Kostbarkeiten und Spezereien nach Europa zu bringen. Ein Sommerabend im Gäßchen. ‘ Von I. Sontowsky. An einem schönen Sommertage des vergangenen Jahres war die Kunstausstellung in Berlin von Besuchern überfüllt, unzählige wenschen fluteten durch die Säle nnd betrachteten mit lebhaftem Interesse die ausgestellten Gemälde und Bildwerke, was gab es da nicht alles zu sehen! herrliche Gebirgslandschaften, das unendliche weer, bald ruhig, bald von wildem Sturme gepeitscht; hier hat uns ein Künstler die Wunderwelt der heißen Zone vorgezaubert, jener andere führt uns in die Region des ewigen Eises. Dort auf jenem Bilde versetzt uns der Waler in längst vergangene Zeiten, hier schildert er uns einen heiteren Vorgang aus dem Leben der Dorfbewohiler, dort zeigt er uns das Bildnis eines berühmten Gelehrten, hier dasjenige eines edlen Herrschers. dem die Ausstellung besuchenden publikunl siel ein alter Herr durch seine ehrwürdige, wenn auch fremdartige Erscheinung auf. Ein langer,