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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 8 (1897) · p. Seite 121

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
8 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
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121 Kaufleute, die nicht zum wenigsten einen bedeutenden wohlthuenden Einfluß auf die früheste Entwickelung gerade der deutschen Kultur ausgeübt haben. Wir wissen sehr wenig über diese ältesten und ersten Niederlassungen der Juden in Deutschland. Der Sage nach haben schon zur Zeit der Erbauung des zweiten Tem-els, in Esras und Nehemias Tagen — Juden am Rhein gewohnt. Denn als die siebenzig Jahre der babylonischen Gefangenschaft um waren und Israel sich in Jerusalem und dem heiligen Lande wieder ansiedelte, da blieben die Juden von Worms, trotz der von Jerusalem an sie gerichteten Mahnung, im Lande Israel zu wohnen, in der ihnen lieb gewordenen Stadt. Auf die an sie ergangene Aufforderung zur Auswanderung nach dem heiligen Lande schrieben sie vielmehr zur Antwort: „Wohnt ihr in Groß-Ierusalem, so wohnen wir in Klein-Jerusalem." . Unter den rheinischen jüdischen Gemeinden ist die zu Köln die älteste Ein amtliches Schreiben an die Stadtverwaltung im Jahre 32\ besagt, daß die Priester, Synagogen- und Gemeinde-Altesten und sonstigen Gemeindebeamten von persönlichen Leistungen an den Staat frei sein sollten. Es mußte denmach in Köln schon seit längerer Zeit ein jüdisches Gemeinwesen bestanden haben. Da aber diese jüd. Bewohner Kölns offenbar von Süden herkamen, so darf man vernmten, daß es vielleicht auf der ganzen Linie von Lyon in Frankreich bis Köln jüdische Gemeinden gab. Diese Vermutung wird zur Wahrscheinlichkeit, wenn wir in Erwägung ziehen, daß der siebente Bischof und Patriarch von Nketz ein — getaufter Jude, namens Simeon, war. Dieser wird in der Grabschrift in einem Kloster der Vogesen als Israelit gerühmt und „daß er hebräischem Blute entsprossen" sei: „Simeon ruhet in öiefctu Schrein hier, der heilige Bischoff, prüfet sein Leben! Ihn rühmt die Ulenschheit als Israeliten, Ihn, der das Bistum regierte als siebenter Herrscher in Weisheit!" Auch die erhaltenen Gesetze des Königs Gundobad von Burgund gegen die Juden beweisen zur Genüge, daß eine große Anzahl derselben in dessen Reich ansässig waren. Der erste der Fürsten, welcher die geistige und gesellschaftliche Lage der Juden Deutschlands und Frankreichs zu heben suchte, auf mannigfache Art förderte, ist: Karl der Große, der Gründer des fränkischen Kaisertums (768—814). Diese erlauchte Kaisergestalt am Eingang der mittelalterlichen Geschichte ist auch in der jüdischen Geschichte von hervorragender Bedeutung. Gbwohl Karl Schutzherr der Kirche war, und obwohl die damalige Geistlichkeit nicht sehr judensreundlich gesinnt war, die spanischen Bischöfe wiederholt ermahnten, die Ehristen von der Gemeinschaft mit Juden und Heiden (Arabern) auszuschließen, so bewahrte Karl nach wie vor seinen jüdischen Unterthanen eine wohlwollende Gesinnung. Die Juden waren damals die Vertreter des Welthandels und zwar des Großhandels sowohl einerseits zwischen den italienischen, französischen und rheinischen Städten, als auch anderseits zwischen diesen und dem Alorgenlande.

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