Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 8 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9620171-9626621-9621791--0567-9621799- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
120 Vorzug der Reichen und der Städter. Eli besaß selbst nur ein bescheidenes Blaß weltlichen Wissens, und seine Rlethode würde einem minder gescheiten und minder lernbegierigen Knaben nur den Sinn verwirrt und die Lernlust benommen haben. Daniel aber war so völlig davon überzeugt, daß nur Kenntnisse, reiche Keimtnisse zur Freiheit führen könnten, daß er sich alles aneignete, was und wie es sich ihm darbot. Der stetige Fortschritt in dem Befinden des Vaters gab ihm die frohe Hoffnung, daß er mehr als bisher sich der Aneignung von Wissen werde widmen können. Zur unbeschreiblichen Freude der Familie war Gabriel im Laufe des Sommers völlig genesen, und somit im Stande, für den Unterhalt seiner Familie zu sorgen. Auch für Eli war dadurch eine bessere Zeit gekommen. Er brauchte nicht mehr die weiten beschwerlichen Wege zu machen und sich den Widerwärtigkeiten des Hausierhandels auszusetzen, sondern konnte dem Selbststudium tabnudischer Schriften, das ihm die höchste Befriedigung bot, obliegen, oder sich mit den Enkelkindern beschäftigen, deren gedeihliche Entwicklung ihm die höchste Freude bereitete. Was Eli dem lerneifrigen Daniel hatte mitteilen können, nahm dieser in sich auf, und er t^egte nun den sehnlichsten Wunsch nach Erweiterung seiner Kenntnisse, wozu ihm aber jede Gelegenheit und jede Aussicht fehlte. Ein sonderbares Ereignis, das abermals den Mut Daniels und seine Treue zu dem Schutzherrn beweist, führte ihn der Erfüllung seines Wunsches näher und gab seinem Leben eine unerwartete Wendung. _ (Fortsetzung folgt.) Karl der Große und sein Verhältnis zu seinen jüdischen Anterthauen. Eine geschichtliche Skizze für die reifere Zugend von W. Andorn-Hattingen. Die ältesten Städte Deutschlands sind die Römerstädte am Rhein und an der Donau, die teils aus den befestigten Lagerplätzen, teils aus den römischen Tolonien entstanden sind. So waren es besonders am Rhein: Straßburg, Speier, Worms, Alainz, Toblenz, Köln u. a., an der Wosel: Trier und im Gebiet der Donau: Augsburg, Regensburg, Salzburg und Wien. Der ehemalige Glanz und Reichtum dieser Städte ist hier uitb da noch aus den erhaltenen Trümmern ersichtlich. So alt wie die genannten Städte sind, fast so alt sind auch die jüdischen Gemeinden daselbst. Denn mit dem römischen Kaufmann, der auf den großen Handelsstraßen, — die teils durch Gallien, teils über die Alpen zum Rhein und zur Donau führten, — nach Deutschland kam, zogen wohl auch die ersten Juden nach diesem Lande, und zwar weder als Schriftgelehrte, noch als Ackerbauer, sondern als Raufleute; die ersten Kulturträger, die am Rheine sich dauernd sässig machten, sind Kaufleute und zwar jüdische