Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 8 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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119 Frauen gesandt hat?" „Ich hörte Hilferufe", erwiderte Daniel, „und da ^dachte ich, vielleicht könnte ich helfen. Und mit des Allgütigen Beistand ist mir das -Rettungswerk. gelungen." Der Greis zog den Knaben an sich, Freudenthränen vergießend und ihn immer wieder an sein Herz drückend. „So hat sich ineine frohe Ahnung doch bestätigt," sagte Eli, einen dankbaren Blick nach oben 'richtend, „Gott, wie danke ich Dir von ganzem Herzen V Und in dem Auge der Amtier erglänzte eine Freudenthräne, und die jüngeren Geschwister schauten verwundert zu Daniel wie zu einem überirdischen Wesen ' auf. -Da ließ sich eine schwache Stimme vernehmen^ Gabriel hatte alles aufmerksam mit angehört, winkte nun Daniel zu sich und legte die Hand auf das lockige Haupt des Knaben: „Der Herr segne dich, mein Kind, — und' lasse dichimmer gute Werke vollbringen!" „Aber wissen möchte ich doch, Daniel, wie du es fertig gebracht hast, bei der Beschaffenheit des Bodens und deiner Unkenntnis der Örtlichkeit ein so gefahrvolles Rettungswerk zu vollziehen," sagte Eli. Daniel schilderte nun in anschaulicher Weise, wie er den Rufen folgend, sich durch das Dickicht schlug und dann, die beiden Frauen aus ihrer verzweifelten Lage befreite. Aber diese Schilderung klang so natürlich und entbehrte so ganz der Eitelkeit und des überhebenden Selbstbewußtseins, wie dies nur einem wahrhaft bescheidenen und sich der Pflicht der Nächstenliebe voll bewußten Wenschen möglich ist. Bescheidenheit und Pflichtgefühl sind herrliche Eigenschaften, die man sich anerziehen nruß, wenn sie nicht von der Nabrr gegeben siüd. U)ie die Gottesfurcht aller Weisheit Anfang ist, so haben auch diese Eigenschaften ihren Ursprung in der wahren Gotteserkenntnis und lautern Gottesverehrung. „Dein Amt, nrein Junge, hat die h>robe bestanden," sagte der Alte mit gehobener Stimme, „sieh der Gefahr, in welcher Form inrmer sie sich dir zeigt, dreist ins Auge, und du hast die erste Bedingung erfüllt, die dir die Erlangung der Freiheit stellt. Nun nrußt du dir aber Kenntnisse zu erwerben trachten, Kenntnisse, je mehr, desto besser. Alles, was man gelernt hat, ist von Wert. Was ich von der ganzen Welt weiß, will ich dir mitteilen, das ist meine Pflicht; aber das ist blutwenig, das reicht im Leben draußen kaum aus. Die Aneignung von Kenntnissen erfordert Eifer, Fleiß. Du bist nicht der Grafen Sohn, der seine Lehrer inrmer um sich hat, aber 'gerade weil dir die Lerngelegenheit fehlt, mußt du sie ergreifen, wo sie sich dir öarbietet', und du mußt sie mit Eifer und Ausdauer benutzen." Bon diesein Tage an trat in dem Wesen und der Lebensweise Daniels insofern -eine Minderung ein, als der Knabe jetzt noch ernster als früher war und im Schreiben, Lesen und Rechnen nicht wie bisher gelegentlich, sondern 'mit ziemlicher Regelmäßigkeit von feinem Großvater unterrichtet wurde. Freilich war es kein geregelter Unterricht, wie ihn die Kinder heutigen Tages in der Schule genießen.- Einen Lehrer zu haben, war in damaliger Zeit ein