Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 8 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Binder hingen an seinen Rippen, „waren gestern, angelockt von tarn herrlichen Frühlingswetter, in den Wald gegangen, um Veilchen zu pflücken. Im munteren Gespräch merkten sie nicht, daß sie sich zu weit von dem Waldwege entfernt hatten, plötzlich schwand ihnen der Boden unter den Füßen — sie waren in einen Sumpf geraten, aus dein sie sich nicht mehr zu retten vermochten. In ihrer Verzweiflung schrien sie um Hilfe, aber niemand nahete zu ihrer Rettung. Schon begannen die Kräfte sie zu verlassen, schon hatten sie jede Hoffnung aufgegeben, als sie plötzlich eine mehrstimmige Antwort auf ihre Hilferufe vernahmen, die sie neu belebte. Da im Augenblicke der höchsten Gefahr zeigte sich ihnen der Retter — ein Knabe, wie der Wut und die die Kräfte eines Knaben es wohl vermocht hatten, die Rettung der beiden Frauen zu bewirken, das rief das Erstaunen, ja die Bewunderung aller, die von dem Vorgang hörten, hervor." Rahel hatte mittlerweile das Frühstück aufgetragen und war der Erzählung aufmerksam gefolgt. Als der Alte geendet hatte, fragte sie, anscheinend über den Schluß nicht befriedigt: „Gin Knabe rettete die Frauen? Und weiß man auch, wer der Knabe war?" — „Gin Knabe?" — „ein Knabe?" fragten auch die jüngeren Kinder erstaunt. „wer der Knabe war," sagte Eli, „das hat man bis jetzt nicht erfahren können. Wan weiß nur, daß der Leibkutscher unseres gnädigen Herrn den Waldweg entlang fuhr, als er aus der Stadt, von wo er wein ins Schloß bringen sollte, kam, und von einein Knaben auf die beiden vor Schrecken und Ermattung noch ohnmächtigen Frauen aufmerksam gemacht, diese auf den wagen nahm und ins Schloß brachte. Um den Knaben habe er sich weiter nicht künnnern können, da ihm große Eile geboten schien." Die aufmerksamen Zuhörer warfeil sich erstauiite Blicke zu. Bur Daniel schien teilnahnlslos; er schaute zu Boden, um nicht dem Blicke ^es Großvaters zu begegnen. Glutröte bedeckte sein Angesicht, seine Augen leuchteten, sein Herz pochte in heftigeil Schlägeil. Er hatte seine Handlungsweise für so selbstverständlich gehalten, uild er legte ihr so wellig Bedeutung bei, daß er sie seinen Angehörigen nicht eininal mitteilte, und nun hörte er, daß er etwas Bewundernswertes vollbracht habeil sollte! Daher seine Verlegenheit, und es war ihm eine Erlösung, als iiach welligen Winuteil der Großvater ihn anredete: „Nun, Dailiel, hättest du wohl auch deil Wut, und würdest du dir die Kraft Zutrauen, ein solches Wagestück zu unternehmen?" Daniel hob seinen leuchtenden Blick und antwortete mit fester Siimme: „(D, wenn es die Rettung von Menschenleben gilt, werde ich immer den Wut und die Kraft haben, ein noch so gefährliches Wagnis zu beginnen i Uebrigens betrachte ich es nicht als mein Verdienst, zwei Menschenleben gerettet zu haben, ich war nur das ausführeilde Werkzeug in der helfenden Hand Gottes." _ - „wie, .verstehe ich recht," fragte der Greis freudig erregt, „du also warst der Kilabe, den Gott als rettender Engel deil beiden veruiiglückteil