Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 8 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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116 lich die Arbeit; aber der Blüßiggang entsprach weder den Gewohnheiten der Familie Gabriel, noch der Neigung Daniels. An den Tagen und in den Stunden, da die Arbeit eingestellt war, unterwies Eli den Knaben im Studium der Bibel und des Talmud. Blit reicher Begabung verband Daniel regen Eifer, so daß er trotz seiner Jugend ein recht ansehnliches Wissen im hebräischen besaß. Auch mit der französischen Sprache hatte ihn sein Großvater soweit vertraut gemacht, daß er sich mit ihm französisch unterhalten konnte. Früher als sonst legte Daniel heute die Arbeit aus der Hand, die ihm nicht recht gelingen wollte. Während die Arbeiten sonst in seinen Händen zusehends Fortschritte machten, wollte ihm das Werk heute gar nicht von der Hand gehen, obgleich er sich doppelte Blühe gab. Auch das muntere Liedchen, mit dem er sonst die Regsamkeit der Hände begleitete, war heute verstummt. Es ist doch eigentümlich, daß das Gelingen eines Werkes von der Stimmung, in der man sich befindet, beeinflußt wird. Der Schüler kann diese Erfahrung bei der Anfertigung von Schularbeiten und der Erwachsene bei der Herstellung technischer Arbeiten machen. Blochte es die noch immer nicht niedergedrückt Aufregung oder die Ermüdung, die sich Daniels wieder bemächtigte, fein — hier mißlang ihm die Zeichnung, dort wurde der Einschnitt zu lang oder zu breit, oder eine eben mühsam ausgezackte Figur brach ab, kurz, es war, als ob die sonst so geschickte und sichere Hand heute gar nicht parieren wollte; sie zitterte und versagte ihm zuletzt ganz den Dienst. Er legte deshalb die Arbeit fort und begab sich mit seinem jüngeren Bruder ins Freie, hier verweilte er, bis die ein' getretene Dunkelheit und feine immer zunehmende Blödigkeit ihn zwangen, in die Wohnung zurückzukehren. Kaum hatte Daniel fein Lager aufgesucht, als schon ein sanfter Schlmnmer ihn umfing, holde Traumgestalten gaukelten ihm gar sonderbare Bilder vor. Er schlief so fest, daß ihm die gegen Erwarten und Gewohnheit frühere Ankunft des Großvaters unbekannt blieb, bis er arn Blorgen von seiner Blutter sanft geweckt wurde. Seine erste Beschäftigung bestand darin, daß er seine Ziege fütterte, die das verlangen nach Futter durch lautes Bläckern zu erkennen gab. Daniel war nicht wenig überrascht, den Großvater beim Frühstück zu finden, und nicht wenig erfreut, seinen Tags vorher ausgesprochenen Wunsch so rasch erfüllt zu sehen. Er wäre so gern der Erste gewesen, der ihm die Freudensbotschaft von der plötzlich eingetretenen Besserung in den: Befinden des geliebten Vaters überbracht hätte. Es schien, als ob die Vorsehung das Füllhorn des Glückes über die so schwer geprüfte Familie auszuschütten begann. Traurig und sorgenvoll war der Alte am vorhergehenden Tage fortgegangen, die Familie ebenso zurücklassend, erfreute Gesichter fand er bei seiner Ankunft vor. Auch ihm war das Glück dieses Blal besonders hold. Er hatte nicht nur seinen ganzen Vorrat an holzschnitzgegenständen in kurzer