Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 7 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9620171-9626621-9621774--0549-9621781- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Stolz erfüllte sein Herz, nein, inniger Dank gegen Gott, der ihm beigestanden und ein so edles Werk hat vollbringen Helsen. Rttt diesen Gedanken und Empfindungen beschäftigt, erreichte er bald sein Vaterhaus, wo ihn: ein garfreudiger Empfang zu teil ward. Seit Rkouden hatte der schwerkranke Vater zum ersten Wale nach Daniel verlangt. Während er bisher völlig teilnahmslos dalag, mit glanzlosen und fast immer geschlossenen Augen, blickte er heute lebhafter um sich, richtete an seine fürsorgliche Gattin Fragen betreffs seines Vaters und der Kinder; wie eine Fügung des Himmels — konnte auch sein Verlangen nach Daniel erfüllt werden, da dieser soeben in das Zimmer trat. Gr begab sich sogleich an das Lager des Kranken, der ihn: mit seiner kraftlosen, knochigen Hand das lockige haar streichelte. „Wein Kind," begann jetzt der Kranke mit tonloser Stimme, „ich fühle, es ist mir bester, leichter; der liebe Gott will mich noch — bei euch — lasten — euretwegen — damit ihr fromm und brav werdet — und bleibet — willst du auch fronnn — und brav — sein?" „Gewiß, teurer Vater, wenn Gott mir die Kraft giebt, will ich ein treuer Sohn unseres Volkes sein und mich unserer Väter würdig zeigen," sagte Daniel mit Nachdruck. Und nur mit Blühe die Thränen zurückhaltend, bedeckte er die bleiche Hand des Vaters mit herzlichen Küsten. Zn der That war in dem Befinden des Kranken eine sichtbare Besserung eingetreten, die jetzt von Tag zu Tag Fortschritte machte. Blit inniger Freude und Dankbarkeit nahm die Fanülie dieses wahr, und aller Augen hingen mit freudiger Teilnahme an den Zügen des Kranken, aus denen der krankhafte Ausdruck immer mehr zu schwinden begann. „Ach wenn doch der Großvater bald heinikehrte und au unserer Freude teilnehmen könnte!" sagte Daniel bewegt. (Fortsetzung folgt). Peftad? im Sprichwort. Welche große Rolle die Bibel in Wissenschaft, Kunst und Litteratur, wie auch in der Sprache des täglichen Lebens spielt, das habe ich euch tut vorigen jahre in mehreren Aufsätzen gezeigt. Für die juden aber, die so viele Jahrhunderte hindurch von den Völkern, unter denen sie lebten, verachtet und Zurückgesetzt wurden, waren Bibel und Religion die einzigen (Unellen, aus denen sie Trost und Akut und Trheiterung schöpften, und deswegen finden sich bei ihnen besonders viel Sprichwörter und Redensarten, die der Bibel oder dem religiösen Leben entnommen sind, freilich lauten sie nicht gerade hochdeutsch, sondern nur „jüdisch-deutsch;" aber wir dürfen darüber nicht spotten, wir wollen Gott danken, daß wir heutzutage reines Deutsch sprechen lernen können, also eine gebildete Muttersprache haben; aber über das „jüdisch-deutsch" wolleu wir nicht spotten. Denn unsere Vorfahren hätten eben so gern die Landessprache gesprochen, wie wir; aber sie konnten sie