Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 7 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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IJ!l ■ 101 "fl vielleicht die Unglücklichen sich befinden mochten, zu verscheuchen, wiederum drangen die Frauenstimmen an sein Ohr: „Hilfe! Rettung, wir ertrinken!" )etzt wußte er, daß er den Verunglückten ganz nahe war. Nur eine langgedehnte, undurchdringliche Hecke trennte ihn von der Unglücksstätte. Mit einem mächtigen Satze schwang er sich über diese und geriet auf weichen Boden, der seinen Tritten nachzugeben schien. Tr befand sich auf sumpfigem Erdreich, und nur wenige Schritte vor ihnr sah er jetzt zwei Frauen, die in den Sumpf geraten waren und bis zu den Annen in demselben steckten. Daniel blieb entsetzt stehen. Die Größe der Gefahr, in der die fast ohnmächtigen Frauen sich befanden, wurde ihnr sofort zum erschreckenden Bewußtsein. Nur einen Schritt weiter, und auch er wäre in dieselbe gefahrvolle Lage geraten. Rasche Hilfe war hier notwendig, aber jede Unvorsichtigkeit würde drei Menschenleben gekostet haben. In den verzerrten Zügen der Frauen lag der Ausdruck der Verzweiflung. Raum gewahrten sie den Knaben, da flog ein Freudenschimmer über ihr fahles Angesicht, und mit klangloser, kaum hörbarer Stimme brachten sie den Ruf hervor: „Rettung!" Kein Augenblick war zu verlieren, Daniel sprach ihnen Blut zu. Und sich mit der linken Hand an einem Baumast festhaltend, suchte er einen längeren auf der Erde liegenden Zweig zu fassen, um ihn der ihm zunächst befindlichen Frau zu reichen. Mit der letzten Kraft eines mit dem Tode ringenden Wesens ergriff sie diesen. „O Gott, stehe nur bei!" flehte Daniel, und mit Aufbietung aller seiner Kräfte zog er den Zweig, an den die Frau sich krampfhaft geklammert hatte. Noch ein kräftiger Ruck, und die Frau hatte etwas festeren Boden erreicht und konnte sich nun ohne Hilfe Daniels, mit Händen und Füßen sich vorwärts schleppend, aus ihrer Gefangenschaft befreien, bis sie an der Hecke erschöpft liegen blieb. Nun galt es, die Rettung der anderen Frau zu bewirken, was aber noch schwieriger war, weil die Entfernung von Daniel zu dieser eine größere war. Unr dem lockeren Boden mehr halt zu geben und unr sich der Verunglückten nrehr nähern zu können, warf Daniel Reiser vor sich her. Nun hielt er trotz seiner Ermattung auch der zweiten Frau den Baumzweig hin, und mit übermenschlicher Kraft zog er auch sie so weit, bis sie festeren Boden unter ihren Füßen hatte. Soll ich euch, liebe Kinder, die Gefühle der beiden geretteten Frauen schildern, als sie aus ihren Ohnmächten erwachten? Vermag ein Mensch die Empfindungen wiederzugeben, die sich eines von sicherem Tode Geretteten gegen seinen Retter bemächtigen? Die Sprache versagte ihnen, als sie den Mund aufthaten, um ihrem Lebensretter zu danken. Aber die Thränen in den auf Daniel blickenden Augen der Frauen sprachen eine stumme, aber doch so beredte Sprache. Doch der Knabe wehrte jede Dankesbezeugung ab und war bemüht, feine Schützlinge zu beruhigen und zu trösten. Sie sollten ungesäumt die Stätte des Unglückes verlassen und ihnr in sein elterliches Haus folgen, damit ihnen hier Erholung gewährt würde. Kamn waren sie im Stande, Vf! i!«