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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 7 (1897) · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
7 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 (Scäft der riesenhaften Eichen sich so dicht ineinander verschlang, daß kaum ein Vogel hindurchschlüpfen konnte; ebenso dicht war das dürre Gestrüpp, das fast bis zu Manneshöhe den Raun, zwischen den Eichen aussüllte. Mit Bewunderung beobachtete Daniel, was hier die Natur geschaffen. Die Eintönigkeit des Weges gestattete ihn,, sich ganz seinen Gedanken hinzugeben. Bald war es der Großvater, bald der geliebte kranke Vater, wohl auch seine Zukunft, die sein Denken beschäftigten. Nur ab und zu unterbrach ein über den weg hüpfendes Reh seinen Gedankengang, nahm ein aus dem Moos hervorlugendes Veilchen seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Eben wollte er sich bücken, um diese Frühlingsboten zu einem Sträußchen für seine liebe Mutter zu pflücken, als plötzlich Hilferufe zu ihn, herüber tönten. Erschreckt fuhr er empor und faßte seinen Eichenstock mit fester Hand. Die Hilferufe wiederholten sich, wurden aber innner schwächer. Er erkannte sogleich, daß es Frauenstimmen waren, die mit dem Schrei der Verzweiflung um Rettung in Gefahr riefen. Mas mocht^ es nur sein! Einen Augenblick stand der Anabe wie an den Erdboden gebannt, das Herz schlug ihm bis zun, halse hinaus, seine Augen leuchteten, und kühn entschlossen schlug er sich, mit seinem Stocke das Gestrüpp teilend, durch das Dickicht hindurch, um der Stelle zuzueilen, an der ein Verbrechen, verübt oder ein Anglücksfall sich ereignet zu haben schien. Nur nüt größter Rraftaufbietung vermochte er sich Bahn zu brechen. Er wußte, daß der Wald sumpfige Stellen aufwies, in denen schon mancher Unkundige sein Leben verloren, und das Wölfe, wohl auch ein Bär schon manches Opfer an Menschenleben gefordert hatten. Es war ihn, auch bekannt, daß Wegelagerer hier die Gegend unsicher machten, sein Großvater hatte ihn, schon von manchen, räuberischen Uebersall, der im Schutze des dichten Waldes hier verübt wurde, erzählt. Trotz des Bewußtseins seiner unzureichenden Aörperkraft wollte er doch nicht zurückstehen, da er Menschenleben in Gefahr wähnte. „Sei mutig!" hörte er die Stimme seines Grotzvaters in feinen, Znnern. Und obgleich das dürre Gezweig ihn, das Gesicht und die Hände blutig kratzte, drang er doch innner weiter vor. Das er als schwacher Anabe gegen bewaffnete Räuber oder wilde Tiere nichts würde ausrichten können, daß er viebnehr sein eigenes Leben aufs Spiel setzte, dessen achtete er in diesem Augenblicke nicht; die Pflicht, das gefährdete Leben anderer zu retten, ließ ihn die Sorge un, die eigene Sicherheit vergessen. Doch eine Vorsicht schien ihm geraten, durch die er das Rettungswerk sicherer ausführen zu können glaubte. Während des unaufhaltsan,en Vordringens schlug er mit seinen, Eichenstock gegen Baum und Sträucher und rief mit innner veränderter Stinnne: „Zu Hilfe! zu Hilfe! Johann, Walter, Albrecht! konnnt schnell, Hilfe!" und mit wieder verstellter Stimme schrie er: „Wir konunen! Vorwärts! Wir kommen!" Durch das Geräusch und die Ruse wollte er die hilferusenden aufmerksam machen, daß ein n,enschliches Wesen nahe war und ihnen so Mut einflößen; andrerseits hoffte er, die wilden Tiere oder die Wegelagerer, in deren Gewalt

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