Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 7 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9620171-9626621-9621774--0544-9621776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
98 tust pries, doch der Sinn dieser Worte war damals nicht weniger bekannt als in unseren Tagen. —- Ja, der Israelit lebte in der Natur und mit Oer Natur. Bein: ersten Beginn des Frühlings rüstete er sich zu der Reise nach Jerusalem, wo er nach biblischer Vorschrift das Fest des Herrn zu feiern hatte. Auf dieser Wanderung durch die srühlingsgrüne Landschaft lernte er erst recht die Schönheiten seines gesegneten Landes kennen. In fröhlichen: Zuge durcheilte man Berg und Thal, Psalmen auf den Rippen und Fröhlichkeit im Kerzen. Und jemehr man sich der Hauptstadt mit ihren Palästen und dem weithin ins Land blickenden Tempel nahte, uni so bunter und zahlreicher ward das Gewimmel der ziehenden Scharen, desto höher stiegen die wogen des Jubels. Di; festlich bewegte Wenge in den blühenden Gefilden: fürwahr ein herrliches Bild in herrlichen: Rahmen! Und stieg der fronnne Wanderer aus den Stufen zun: Gottesberge hinan und sah die Ungezählten aus allen Stännnen Israels um sich, die alle der gleiche Zweck hierher geführt hatte, dann durchdrang ihn heiliger Schauer vor dem unsichtbaren Gott, dem diese Scharen sich in Verehrung beugten. Dann brachte auch er seine Gaben dar in geweihter Stätte und stinnnte ein in den Lobgesang der Leviten: „Danket dein fjernt, denn er ist gütig, Ewig währet seine Gnade." „Ulan erscheine nicht leer vor dem Angesichte des Ewigen," so lesen wir in den: Schriftenabschnitt über die Feste des Herrn. — wer könnte leer und unempfänglich erscheinen bei solchen Eindrücken I — wir leben in einer anderen Zeit und in anderer Umgebung. Der Rauch und (^ualn: der großen Städte hat oft die Fröhlichkeit erstickt, und wir sind weniger sangesfreudig als unsere Vorfahren, wir feiern die Feste des Herrn in der Heimat und in geschloffenen Räumen. Die rauhe Jahreszeit gestattet kein dauerndes Verweilen in freier Natur. — Aber schmückt sich nicht auch bei uns die Welt mit neuen Reizen? Und welches Aind empfindet hinter den hohen Ulauern der Großstadthaüser nicht, daß der Strahl der Sonne größere Arast gewonnen hat? wer weiß es nicht, daß eine frohere Zeit mit neuen Freuden ihren Einzug hält? Und wer empfindet es nicht dankbar, daß Gottes Vaterhand uns in der rauhen Jahreszeit beschützte und zugleich mit der verjüngten Natur nun auch unsere Pulse schneller schlagen läßt? „Ulan erscheine nicht leer vor dem Angesicht des Ewigen!" Frage dich, mein Rind, ob du leer erscheinen könntest vor den: Angesiche deines Gottes an den konnnenden Festtagen? werden es nicht Gefühle der Freude und Dankbarkeit sein, die dein jugendliches Herz deinen: Gotte zujubelt? Blicke her, n:ein Rind! Nicht mehr gewähren unsere Feste das bunte Bild wie ehemals in der Gottesstadt Ierusalen:. Aber noch schmücken unsere Feste schöne sinnbildliche Zeichen, welche zun: Nachdenken und zur Freude