Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 6 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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t-, i ■ i |i viK sich nicht. Der Prinz war mittlerweile König geworben. Da kam bas Jahr 1866. Marthas Bruder war Offizier und zog als solcher in den Krieg nach Böhmen, wurde verwundet und starb im Lazareth an der Tholera. Da, um Ansteckung zu vermeiden, die Reichen an Ort und Stelle begraben werden mußtm, durfte auch die Ceiche des begüterten Apothekersohnes nicht nach Pommern überführt werden. Die Mutter war tief bekümmert, daß derselbe in fremder Erde ruhen sollte. Da faßte Martha den kühnen Entschluß, nach Berlin zu fahren und bei dem Könige Milhelm eine Audienz zu erbitten. Die Eltern willigten ein. Das Mädchen ließ sich bei dem Adjutanten des Königs melden, erzählte ihm den Zweck ihres Kommens und bat ihn, diesem dem Könige mitzuteilen unter Vorzeigung des ihm übergebenen Hündchens. Nicht ohne Bedenken erfüllte der Adjutant diesen Munsch. „Dies Hündchen gehörte mir einst! Meiß die junge Dame, daß ich es geschenkt?" fragte der König. Martha trat ein, ihre Bitte wurde gewährt, und getröstet kehrte sie zu ihren Eltern zurück. Nach wenigen Tagen traf auch der Sarg mit den sterblichen Ueberresten ihres Bruders in der Heimat ein. b) Ich heiße auch Wilhelm. König Milhelm psiegte im Sommer einige Mochen in Ems zuzubringen, um dort zu baden und sich zu erholen. Jedermann freute sich in der Stadt, wenn der geliebte Monarch wiederkam. Auf seinen Spaziergängen trug der König gewöhnlich einen schwarzen Hut und Kock und eine weiße Meste. Damit der hohe Herr nicht belästigt würde, verboten die Mütter ihren Kindern, sich zu nahe an ihn heranzudrängen, wenngleich man wußte, daß der Kaiser ein großer Kindersreund war. Kurz vor dem großen Kriege, der 1870 mit Frankreich ausbrach, weilte der König auch in Ems, und als er eines Tages spazieren ging, eilte ein kleines Büblein auf den alten Herrn zu, umfaßte seine Knie und rief: „Bist Du wirklich der König Milhelm?" „Za, ich denke, kleiner Mann," lautete die Antwort. „Mie heißt Du denn aber, und was willst Du werden?" — „Zch heiße auch Milhelm und will Soldat werden," rief der Kleine freudestrahlend; „aber weißt Du, König Milhelm, einer von denen mit den roten Ausschlägen und den weißen Federbüschen." — „Gott segne Dich, mein Zunge," erwiderte der König, und wenn Du einmal groß sein wirst, dann sage meinem Sohne Fritz, Du wolltest unter die Soldaten mit den roten Aufschlägen und den weißen Federbüschen; der alte König Milhelm hats Dir erlaubt." Mer war aber vergnügter als der kleine Knabe, welcher fröhlich davon sprang und seiner Mutter erzählte, was König Milhelm ihm gesagt hatte. c) Gin kleiner Aage. Gern besuchte der Kaiser zur Sommerzeit das Mildbad Gastein im