Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 6 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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88 bk andere Schulter nehmend, neben dem Alten weiter. „Großvater", sagte er endlich, „wie kommt es, daß der ganze Wald und sogar wir selbst dem gnädigen Herrn gehören?" Eli blickte ihn einen Augenblick forschend an, dann antwortete er: „Der Wald, das schloß und weite, weite Strecken Landes haben schon seinem Vater und seinem Großvater gehört; das Geschlecht hat sie seit hunderten von Jahren besessen und wir? wir gehören ihm, weil unser Aaiser uns ihm geschenkt oder verpfändet hat." Der Anabe blickte erstaunt den Großvater an. - Es klang aus diesen mit einem schweren Seufzer begleiteten Worten des Alten so unendlich viel Wehmut und Herzeleid, daß sie selbst auf ein weniger empsindungsvolles Gemüt, als Daniel besaß, die Wirkung nicht verfehlt, und daß auch ein weniger verständnisvoller Geist als der Daniels ihre Bedeutung erfaßt haben würde. Wiederum entstand eine j)ause. Nur gewaltsam konnte der Greis seine aufquellenden Thränen zurückhalten. Er preßte die Lippen krampfhaft zusammen und sah stieren Blickes vor sich hin. Daniel mochte es wohl nicht entgegnen sein, däß tiefer Schmerz das Gemüt des Großvaters durchwühle, und so innigen Anteil er auch daran nahm, so wagte er es doch nicht, die tröstenden Worte, die ihm förnüich auf der Zunge lagen, auszusprechen. Endlich war der große Steinhügel, bis zu welchen: Daniel seinen Großvater begleiten sollte, erreicht. Er stand mitten in einer großen Lichtung die einen Ausblick auf das stolze hoch in die Lüfte ragende Schloß gewährte. „Setze dich zu mir, mein Aind", sagte der Greis. Daniel gehorchte. „Wir schien, Daniel", begann jetzt der Alte, „du fürchtetest dich beim Eintritt in den dichten Wald; gestehe es mir." „Furcht war's wohl nicht, was ich empfand", etgegnete Daniel bedachtsam, „ich möchte das Gefühl, das sich meiner beim Anblick des mächtigen Waldes bemächtigte, wohl zu vergleichen wagen mit dem, was unser Erzvater ^akob in den Worten zum Ausdruck brachte', ma nauro hamokaum hase — wie ehrfurchtgebietend ist dieser Grt!" „Fürchtest du dich nicht, den Heimweg allein zurückzulegen?" fragte der Alte prüfend. „Wovor sollte ich mich fürchten? Weiß ich doch, daß ich allezeit unter dem Schutze des albnächtigen Gottes stehe —" „Der uns allezeit beigestanden," unterbrach Eli seinen Enkel, indem er einen zuversichtsvollen Blick gen Himmel richtete. Eli nahm den Aopf des Anaben zwischen seine Hände, führte ihn sanft an seine Brust und fuhr fort, fast jedes seiner Worte bedeutungsvoll betonend: „Wer wie ich die sonnigen Tage reinen Nkenschenglückes gesehen, wen: aber auch grenzenlose Not nicht unbekant geblieben, wer wie ich den grausen Tod in tausenderlei Gestalt geschaut, wer wie ich die goldene Freiheit gegen die