Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 6 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9620171-9626621-9621757--0532-9621764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
87 suchen, Me er auch in Deutschland fand. Bisher konnte er auch hier seinen Studien obliegen, bis er infolge der Krankheit seines Sohnes für die Ernährung der Familie sorgen mußte. Hut aller Liebe und Eingebung, die einem Baterherzen zu geböte steht, nahm er diese schwere Sorge auf sich; und vermochte er auch nicht Reichtümer zu erwerben, so war er doch im Stande die Familie vor der äußersten Not zu schützen. Er hatte einst das Holzschnitz- Handwerk erlernt und es hierin zu einer gewissen Kunstfertigkeit gebracht. Die von ihm gefertigten Gegenstände brachte er^nach der nächsten größeren Stadt R., wo sie gern gekauft wurden. Auch in dein Schlosse des Edelmannes hatte schon mancher von der hnid Elis gefertigte Gegenstand Abnahme gefunden, und seine Geschicklichkeit sowie fein edler Lharakter hatten ihnr das Wohlwollen aller Schloßbewohner, ganz besonders aber das des Grafen eingebracht. wiederuni hatte Eli eine Anzahl holzschnitzerarbeiten gefertigt und sich nun auf den weg nach R. geinacht. Eli und Daniel haben in lebhaftem Gespräch bereits eine größere Strecke Weges zurückgelegt, aber wir holen sie noch ein und könneu ihre Unterhaltung belauschen. Eben sind sie in den Wald eingetreten. Es war ein tiefer Eichenwald mit uraltem Bestände. Nur eine schmale unwegsame Straße führte durch das dichte Gehölz. Das stellenweise bis zur Undurchdringlichkeit dichte Gestrüpp war ein Beweis dafür, daß ein menschlicher Fuß noch nicht hierher gedrungen war. Es war daher natürlich, daß hier sowohl wilde Tiere, als auch Räuber ein schützendes Bersteck fanden, von wo aus sie ihr Unwesen treiben konnten. Freilich wies der Wald auch besonders in der Nähe des Waldweges einige Lichtungen auf, die der Edelmann geschaffen hatte. Der weg durch diesen Wald war immer, besonders nachts mit Gefahr verbunden, wenngleich für eine größere Sicherheit von dem Edelmann waßregeln getroffen wurden, deren eine die Herstellung der Lichtungen war. Daniel war zum ersten Riale in diesen Wald gekonunen. während er auf dein ganzen Wege sich mit dem Großvater lebhaft unterhalten hatte, verhielt er sich jetzt inmitten der zahllosen Riesenbäume schweigsam. Dieses bemerkte Eli, und da er glaubte, der erste Aufenthalt in dem mächtigen Walde habe dein Knaben Furcht eingeflößt, unterbrach er das Schweigen. „Die Länge des Weges und die Last des Bündels scheint Dich ermüdet zu haben", sagte er, den Knaben scharf beobachtend. „(D nein", erwiderte Daniel halblaut, „müde bin ich nicht, aber es ist nur so eigentümlich zu Amte." Nach einer kurzen Pause sagte Daniel mit festerer Stimme: „Großvater, wem gehört denn der große Wald?" „wein anders, als dem gnädigen Herrn, dem nicht nur dieser Wald, sondern alles, was du weit und breit siehst, soweit dein Auge reicht, auch unsere Hütte, unser Gärtchen und alles was wir haben, ja sogar wir selbst gehören ihm, wir sind seine Leibeigenen." wiederum schwiegen beide, und nachdenklich ging Daniel, das Bündel auf