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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 6 (1897) · p. Seite 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
6 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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85 mich heute mitnehmen?" Und seine blitzenden Augen sahen so verlangend und bittend zu einem Greis empor, der sich eben zum Gehen anschickte; des Knaben Simme klang so bestimmt und eindringlich, daß der Alte der Bitte nicht widerstehen zu können schien. Schon wiederholt hatte der Knabe den sehnlichen Wunsch ausgesprochen, den Großvater begleiten zu dürfen; aber immer wußte dieser den kleinen Daniel von seinem Verlangen abzubringen. Daniel war verständig genug, um einzusehen, daß die rauhe Witterung ein hinreichender Grund war, die Erfüllung der Bitte für eine günstigere Zeit in Aussicht zu stellen; aber heute, da die Sonne ihren lächelnden Blick der Erde zusandte, da der Cenz seine belebende Nähe verspüren ließ, konnte der Alte den flehentlich bittenden Daniel nicht abweisen. Zwar sollte sein Wunsch, den Großvater auf seiner ganzen Wanderung, die gewöhnlich mehrere Tage dauerte, zu begleiten, noch nicht erfüllt werden; denn der Greis sagte zu ihm; „Nun meinetwegen, aber das sage ich dir, weiter als bis zu dem großen Steinhügel im Walde darfst du nicht mitgehen. Wenn wir dort angelangt sind, kehrest du um. Bis dahin ist etwa eine Stunde. Du bist des Weges nicht kundig und hast auch wohl schon gehört, daß die Sicherheit zu wünschen läßt." Aber schon die teilweise Erfüllung seines Herzenswunsches erfüllte den lebhaften Anaben mit Hellem Zubel. Wie freute er sich, dem Großvater wenigstens für eine kurze Strecke seine Bürde tragen zu können. Nicht wie schon so oft brauchte er heute dem Großvater wehmütig nachzuschauen, wenn dieser die Hütte verließ und er daheim bleiben mußte. „© daß ich doch größer und stärker wäre, dem Großvater die Bürde abnehmen und die Beschwerlichkeiten seines mühevollen Berufes mit ihm teilen zu können!" sagte er oft unwillig. Zn freudiger Erregung half Daniel das Bündel schnüren, und während der Alte — wie er dies stets beim Abschied zu thun pflegte — jedes Glied der Familie segnete, rüstete sich der Anabe zum Gehen. Der Greis lächelte, als er Daniel mit einem aus Eichenholz seist hergerichteten Stock bewaffnet ungeduldig vor der Hütte warten sah. Während beide nun die menschenleere Dorfstraße dahinziehen, wollen wir das Innere der Hütte in Augenschein nehmen. Durch eine schmale Thür 'gelangen wir in einen niedrigen Wohnramn, dessen Decke und Wände vom Bauch geschwärzt sind. Zwei kleine Fenster, deren Rahmen mit UToos belegt sind, um das Eindringen der Kälte zu verhindern, lassen das Tageslicht nur spärlich hindurch. Auf dein offenen Kamin flackert ein lustiges Ferrer, und das Knistern des trockenen Holzes unterbricht die lautlote Stille, die ißü Zimmer herrscht. Za stille ist es, und muß es sein — das wissen auch die drei Kinder, die Geschwister Daniels, von denen das älteste soeben sein Morgengebet verrichtet — denn der kranke Vater schläft. Auf dürftigem Cager erblicken wir eine Männergestalt; das bleiche, abgezehrte Antlitz ist voll einenl dunklen vollen Barte unirahmt, die geschloffenen

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