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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 6 (1897) · p. Seite 83

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
6 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 Dem greifen Herrscher ist diese Gnade in reicher Fülle zuteil geworden: Die siebzehn Lebensjahre, die ihm noch von Gott zum Segen für unser Vaterland beschieden waren, haben alle die edlen Güter zur herrlichen Entfaltung gebracht, die ihn — wie Karl den Großen — zum wahren „Bildner des Volkes" machen und seine Heldengröße noch überstrahlen. Kunst und Wissenschaft haben in der langen Friedenszeit seit 1871 sorgfältige Pflege finden können und haben infolgedessen hervorragende Erfolge erzielt, Handel und Gewerbe sind zu kräftiger Blüte gelangt, in erfreulicher Weise hat sich der Wohlstand des Landes gehoben: Gin gar herrlicher Lohn ist dem deutschen Kaiser und Volke für die Blühen und Gpfer der verflossenen Zeit geworden! „Aber am größten war der Kaiser als Blensch!" Diese Worte des fränkischen Geschichtsschreibers, sie können so recht auch auf unseren großen Kaiser Anwendung finden — ein Fülle edler persönlicher Eigenschaften hat den Kriegsherrn und Staatsmann dem Herzen seines Volkes nahe gebracht, ihn jurn wahren „Liebling des Volkes" gemacht. Zn seiner tiefen, echten Frömmigkeit h.st er si-h stets nur als Werkzeug in der Hand der Vorsehung betrachtet, die ihn — wie er nach der Schlacht bei Sedan an seine Gemahlin schrieb — „ausersehen hatte, das Geschehene zu vollbringen." Dieser fromme Sinn, der ihn durch sein ganzes Leben geleitete, führte ihn zu der edlen Denkungsweise, vor allem zu der Achtung vor dem religiösen Gefühle eines jeden feiner Unterthanen, wenn dieses sich auch in einer abweichenden Form äußerte. But seiner wahren Frömmigkeit paarte sich sodann eine über das Grab hinausgehende kindliche Liebe. Sein erster Weg nach der Kriegserklärung gegen Frankreich wie nach der Rückkehr aus deur Feldzuge galt dem Blausoleum zu Eharlotteuburg, um anr Grabe seiner Eltern zu Gott zu beten. Rührend war die Bescheidenheit in seinem Auftreten und seine anspruchslose Lebensführung: Seine Kleidung war stets einfach und oft stark abgenutzt, seine Ruhestätte ein gewöhnliches eisernes Feldbett. Gegen jedermann war er mild und zuvorkommend, niemals entfuhr seinem Blunde ein barsches Wort, ja seine Güte war so groß, daß er die Nachtruhe der Bediensteten, auch wenn er unwohl war, nicht stören wollte und lieber selbst seine Lagerstätte verließ, um eigenhändig die verordnete Bledizin zuzubereiten. Ein herzerfreuendes Bild bot das Leben in seiner Familie, namentlich wenn der Kaiser im Babelsberger Schlosse Kinder, Enkel und Urenkel in traulicher Gemeinschaft beisammen sah; und wie er für jedes Glied dieses Familienkreises ein lebendiges Interesse und herzliche Teilnahme zeigte, so wandte sich seine Liebe und Fürsorge jedem seiner Unterthanen zu ohne Rücksicht auf Stand, Rang oder Bekenntnis. Seine ernsten Bemühungen noch in den letzten Jahren seines Lebens galten der Besserung der Lage namentlich der arbeitenden Klassen: Ein „Vater der Armen" genannt zu werden, dünkte ihm als das höchste Ziel seines Lebens. Line Reihe von

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