Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 6 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 ZINN hundertjährigen Geburtstage Aaiser Wilhelms des Großen. Von Rektor Dr. Adler-Berlin. Bon dem herrlichsten Vertreter alter deutscher Art, non Karl dein Großen, rühmt Einhard von Odenwaldei „Groß war der Kaiser als Krieger, größer als Bildner seines Volkes, aber am größten als Brensch!" Aiit den gleichen Worten können wir auch das Wirken Wilhelms des Großen kennzeichnen, dessen hundertjähriger Geburtstag am 22. März in allen Gauen unseres Vaterlandes festlich begangen wird. Die Ciebe und hohe Ehrung eines treuen Volkes, die der große Frankenkönig genoß, — sie ward auch dem ersten deutschen Kaiser des deutschen Reiches zuteil und offenbarte sich gradezu überwältigend vor nun zehn Jahren, als Kaiser Wilhelnt durch Gottes Gnade seinen 90. Geburtstag feierte, zum ergreifenden Ausdruck ein Jahr später, als der teure Landesvater fein niüdes Auge für diese Welt schloß. Nicht weniger als der große Karl hat Wilhelm der Große diese Ciebe verdient; denn „groß war auch Kaiser Wilhelm als Krieger." Wie jenem König der Franken gebührte ihn: das Verdienst, alle deutschen Stämme zu einem Reichsverband zusammengefügt, das in Uneinigkeit und Machtlosigkeit versmikene deutsche Land zu der Einheit undMachtfülle entporgehoben zu haben, in der es jetzt, uns zur Freud', dent Feinde zum Leid', dasteht! Freilich erforderte diese Schöpfung gar viele Opfer an Gut und Blut — zum liefen Schmerze des friedliebenden Herrschers, der schon als neunjähriger Knabe die Greuel des Krieges in der ganzen Furchtbarkeit gesehen, in seinereigenen Familie die Not und die Verwüstungen, die die Kriegswut erzeugt, kennen gelernt hatte, — und der nun selbst genötigt war, zur Erfüllung der Ausgaben, die er sich gestellt hatte, wiederholt zum Schwerte zu greisen und in drei Feldzügen, von denen namentlich der letzte, gegen Frankreich, tiefe Lücken in zahlreiche Familien seines Volkes riß, die Lösung dieser Aufgaben zu unternehmen! Den Trost in seinem Werk fand er in der Begeisterung, mit der ihn sein ganzes Volk begleitete, in der Hingebung, die sich in allen Schichten zeigte für die Herstellung der Einheit des geliebten deutschen Vaterlandes. Aber als dieses Werk gelungen war, als der König in der Spiegelhalle des Schlosses zu Versailles die ihm von den deutschen Fürsten und der Volksvertre!ung angebotene Kaiserwürde mmahm, erklärte er, Gottes höchste Gnade fortan darin sehen zu wollen, daß der Allmächtige ihn mache „zum Mehrer des deutschen Reiches, nicht in kriegerischen Eroberungen, sondern in den Werken des Friedens, auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und-Gesittung!"