Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 5 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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7o — Don £in. Goldschmidt - Brakel. „schalet ist ein Gericht, das wahrhaft göttlich", singt Heine, und ich wage nicht, ihm zu widersprechen! Israels Kinder, die das alleinige Privilegium auf den schalet haben, die wußten von jeher, was gut schmeckt, sie wissen es — wie's scheint - noch heute! Die jüdische Küche wird daher neidlos anerkannt und rückhaltlos gelobt, obwohl manche Speisen derselben ferngehalten werden nu'issen. Und wahrlich, einen Schalet kann nur die jüdische Hausfrau machen. Ja, ich erinnere nüch noch recht lebhaft aus meiner Kindheit der Thatsache, daß mein Schulfreund, des Nachbars Heinrich, allfabbathlich feine ÜUutter und noch mehr feine Schwester Katharina, die die Aüche meistens besorgte, quälte, sie möchte doch zu Sonntag auch einmal Schalet machen, wie er bei G.'s welchen gegessen. So oft diese sich aber auch das Aezept von meiner seligen Umtter und, wer weiß vielleicht auch noch von anderen jüdischen grauen im Dorfe geben ließ, nie soll ihr der Schalet gelungen sein! — Heine ineint in seiner bekannten Ironie: „schalet ist die himmelsspeise, die der liebe herrgott selber einst dein Moses kochen lehrte auf dein Lerge fiuai," und weiter läßt er sich über diese vielgepriesene Speise vernehmen: „Schalet ist des wahren (Ze'tes koscheres Ambrosia, U?onnebrot des Paradieses." Es sei genug des Lobes über dieses seltene Gericht Aber sollte es dem einen oder den: anderen auch wohl schon einmal in den Sinn gekommen sein, über die Bedeutung des Wortes „Schalet" nachzudenken? Ich bin wohl überzeugt, wenn ich darnach frage, so werden mir die meisten der freundlichen Cefer und Leserinnen mit des obengenannten Schaletfreundes U)orten erwidern: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten!" — Allerdings muß ich gestehen, daß der Name gerade so eigentümlich ist, wie das Gericht selbst. UÜancher ist wohl der Uleinung — und möchte deshalb die Frage kurz mit der Antwort abfertigen — Schalet ist ein hebräisches Wort! Allein, man wird vergebens im Hebräischen nach dem Ursprung dieses Wortes suchen. Wer aber einmal darauf achten will, wie unsere Glaubensbrüder im Osten, die ja gar nicht selten als Arme an unsere Thüre klopfen, und zuweilen auch an unserem Tische speisen (besonders am Sabbath, wo's gewöhnlich Schalet giebt), das Wort aussprechen, denn wird über die Bedeutung desselben ein Licht ausgehen! Die nennen das Ding nämlich „Schölend", und sprechen das Wort mit nicht zu verkennenden: hebräischen Accent aus. Vielleicht hat man die knappe, gemessene Form, die der hebräischen Sprache eigen ist, aus anderssprachliche Ausdrücke übertragen, und sie so hebräisiert, obwohl der Grundton solcher Ausdrücke^, ursprünglich, Gott weiß, deutsch, lateinisch, französisch oder auch noch anders war. Um mich klarer zu machen, will ich kurz einige Beispiele ansühren; ich wähle absichtlich allgemein bekannte Bezeichnungen: „Katt" bedeutet fast allgemein Thaler; in Wirklichkeit ist Katt aus den Anfangsbuchstaben des äisches Gebet verrichten,