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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 5 (1897) · p. Seite 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
5 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 74 (sequence 10)
Language
German
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Niedergeschlagen ging der 2Harm weiter. Da nahte sich ihm eine verschleierte Gestalt und sagte: „Ich werde als j)athin konnnen und auch den Reichtum überreden mitzukommen." „Wer bist du denn?" fragte der Mann. „Ich bin die Lüge, die konunt in der Welt recht gut fort, hat oft Reichtum, Glück und Ansehen im Gefolge." „Nein," entgegnete der Schneider, „sind wir auch nur arme Leute, so sind wir doch zeitlebens ehrlich gewesen, mit Lug und Trug wollen wir nichts zu thun haben, da bleibe mein Rind lieber auch elend und arm, ehe es durch dich etwas erreiche." „wenn du so wählerisch bist," spottete die Lüge, „wirst du nicht leicht Kathen finden." Dann drängte sie sich nochmals Hera» und sagte lockend: „Versuche es doch mit mir!" Der Alaun aber blieb standhaft und eilte von der Lüge weg. Da gelangte er auf eine große wiese, hier blühten mannigfache bunte Blumen, und holde Jungfrauen in lichten Gewändern pflückten sich dieselben, wanden Rränze und Sträußchen daraus und schmückten sich damit. Sie waren gar lieblich anzuschauen. Nmnentlich gefielen dem Manne zwei ganz gleiche in weiß gehüllte Gestalten, von denen ein süßer Duft entströmte, weil sie Veilchenkränze auf dem Haupte trugen:, „wer seid ihr?" fragte der Mann, „wir sind Zwillingsschwestern und heißen Zufriedenheit und Genügsamkeit," war die freundliche Antwort, „wir trennen uns nie, wo eine von uns ist, weilt auch die andere." „Ach," sagte der Mann, „thut mir den Gefallen und steht bei meinem Rinde Gevatter, Ihr seid mir lieber, als irgend einer." „Recht gern," sagten die Mädchen, „und wenn es euch recht ist, bringen wir auch unsere Gespielinnen mit, das Mägdelein mit den: weißen Aranz dort, die Anschuld und mit dein Vergißmeinnichtkranze dort drüben, das ist die Frömmigkeit. Gieb acht, mit unseren vereinten Gaben soll euer Rind ein glückliches Rind werden." Und so geschah es. Die Lüge drängte sich vergeblich noch öfter auf, Frömmigkeit und Unschuld bewahrten ihren Schützling davor, sich mit ihr einzulasien hätte er auch augenblickliche Vorteile durch die Lüge gewinnen können, so verabscheute er sie doch auf das tiefste und verzichtete lieber auf Vorteil und Gewinn. Der Reichtwn blieb freilich in seinem Leben aus, aber Genügsamkeit und Zufriedenheit halfen ihm über die. fehlenden Güter hinweg. Und eines Tages, ganz unverhofft, erschien auch das Glück. Das holde, liebliche Glück! „wo die Frömmigkeit und die Unschuld, die Genügsamkeit und Zufriedenheit weilt, da will ich auch nicht fehlen," sagte es, stieg von der Seifenblase herunter, setzte sich in einen stillen Winkel und blieb inunerfort sein treuer und ständiger Begleiter.

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