Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 5 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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73 Mutter und Großmutter teilen die Freude des Rindes, und mit ernstem Blicke und bedeutungsvollen! lächeln erinnern sie sich des Mottos, welches Fanny den richtigen Weg zeigte und führte: „Aus denr Munde der Rinder und Säuglinge hast Du Dir Macht gegründet." Die schönsten Gaben. Märchen Don Bettina Gutfeld. Es war einmal ein Ehepaar, das war sehr arm, aber fleißig und rechtschaffen; der Mann verdiente als Flickschneider, die Frau als Wäscherin ihren Lebensunterhalt, aber trotzdem beide von früh bis spät arbeiteten, waren doch Elend und Sorge ihre ständigen Begleiter. Eines Tages wurde dem ^>aare ein Sohn geboren. „Der soll es besser haben als ich," sagte der Bater, „ich werde recht vornehme Gevattern bitten, die können ihn: mit ihren Gaben das Leben angenehm machen Ich gehe in den Feeenwald, lade das Glück und den Reichtum ein, dann kann ihm ja nichts fehlen." Gesagt, gethan. Nachdem er einige Schritte in dem Walde gegangen war, sah er ein holdes Geschöpf in silberschimmerndem Gewände, das war das Glück! Es stand auf einer großen bunten Seifenblase. (D, wie gefährlich, wie unsicher ist das, wie leicht kann da die Seifenblase zerspringen, dachte der arme Mann und näherte sich ganz behutsam der Gestalt. Als er nahe genug war, trug er seine Bitte, bei seinem Söhnlein Gevatter zu stehen, bescheiden, aber dringend vor. Das Glück sagte: „Ich kann nicht Zusagen, paßt es nur, konnne ich unverhofft, aber rechnet nicht bestimmt auf mein Erscheinen." Nach diesen Worten setzte ein leichter Windstoß die Seifenblase in Bewegung, und fle rollte fort, die holde Gestalt mit sich führend. Der arme Mann ging traurig weiter, er hätte so gern eine bestimmte Zusage von dem Glück gehabt, damit es seinen: Rinde zur Seite stehe, denn Glück nmß der Mensch haben, dachte er, sonst kann er nichts anfangen! Mil einem Male gewahrte der Mann eine Gestalt, in einen: Gewände aus purem, glitzernden Golde, das war der Reichtum. Nun, wenn der als Gevatter kon:n:t, kann es der Junge auch aushalten, n:einte er und trug beherzt seine Einladung vor. Der Reichtum war aber so hochnüitig, daß erden: armen B ranne gar keine Antwort gab, er schüttelte nur verneinend mit den: Ropse. „Romn: doch," flehte der Mann, „mache mein Rind glücklich." „Ich n:ache ja gar nicht glücklich, ich mache ja nur reich," war die Antwort. „Reichtum ist ja Glück," sagte der Mann. Da lachte der Reichtun: und erwiderte: „Das ist ein Irrtun: und eine recht dunnne Ansicht; nein, zu so einfältigen Leuten konnne ich nicht."