Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 5 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Das ‘Kiu6 jubclto holl auf und versprach, gehorsam die Wünsche der Amtier zu befolgen; diese fürchtete niit Aecht, das Wiedersehen würde die alte Frau ohnehin schon sehr ansgeregt haben, und wollte ihr mit dem Kinde nun nicht so unverhofft und unvermittelt gegenübertreten, und verständigte sie, nachdem sie von Trudchen ihre Wohnung erfragt hatte, durch einen Boten, dem sie jedoch mit dem Kinde aus dem Fuße folgte. Wer vermöchte die Empfindungen zu beschreiben, welche die Herzen der beiden Frauen bewegten, als diese, nachdem Trudchen aus einen Wink der Amtter das Zimmer verlassen hatte, sich gegenüber standen! „Amtier, wir haben beide vieles gut zu machen!" Fanny reichte ihrer Schwiegermutter beide Hände; diese zog sie stumm an ihr Herz. Wieder war es die junge Frau, die sich sanft aus der festen Umarmung der älteren lösend, zuerst Worte fand, jeder Erregung, jeder Erörterung aus dem Wege gehend, aus Schonung für die so schwer geprüfte Frau. „Im Sonnenschein unserer ^icbc sollst Du Dich wieder verjüngen," fuhr sie fort; „danken wir Gott, der das Kind zum versöhnenden Engel zwischen uns werden ließ." Unter Thränen lächelnd, nickte die alte Fran zustimmend. Eine Verständigung war bald ohne viele Worte herbeigesührt; in der Schule des Gebens gereist, hatten Heide manche Härte abgest.eist; Fanny bat ihre Schwiegermutter wiederholt, jede Aufregung zu vermeiden, sie müsse einstweilen vor dem Kinde als der Schonung bedürftig gelten, auch mochte sie sich nicht dem Gespräche der Badegesellschast aussetzen, daher mußte sich ihr Berkehr vorerst nur aus Stunden beschränken. Bur noch acht Tage Ferienzeit verlebten sie gemeinsam in dem Seebade, dann begleitete Frau Salbach die wiedergesundene Schwiegertocher und Enkelin nach Berlin. Herr Berger nahm den innigsten Anteil an der günstigen Wendung des Schicksals seiner Schützlinge. Es bedurfte nur kurze Zeit, uni Fanny's kleine Häuslichkeit auszulöscn; die junge Alutter und ihr Kind sollten fortan bei Frau Salbach leben. Diese hatte, nachdem sie vor wenigen Jahren die Leitung des Geschäftes ihrem treubewährten Prokuristen übergeben, sich in Wiesbaden in einer eigenen kleinen Billa ein reizendes Heim geschaffen. Dieses sah sie zu ihrer großen Freude schon zu den Herbstseiertagen durch Fanny und Trudchen belebt, welche nun wetteifern, der alten so schwer geprüften Frau den Lebensabend zu verschönern und zu erheitern. Frau Salbach hat die Kunst lieben gelernt, welche Gottes Fügung ihr zu so hohem Segen werden ließ, und Fanny malt jetzt unter den Augen ihrer Schwiegermutter zu ihrem Bergnügen. In der kleinen rebenumsponnenen Billa der entzückenden Taunusstadt, welche jahraus jahrein einen so großen Fremdenstrom anzieht, wird das Erscheinen des „Israelieischen Iugendreand" nicht nur von einem kleinen Alädchen jubelnd begrüßt, die zärtliche