Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 5 (1897) · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
5 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9621740--0515-9621747
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

töchterchen schon lange zugeführt haben, um mit ihr einen Lichtblick in ihr freudloses Alter zu bringen?" In dieser stillen dunklen Bucht, als sie im Wachen träumend am Lager ihres Rindes saß, kam es wie eine Erleuchtung über sie. Ja, es war Gottes Fügung, die ihre Schwiegermutter das Bild finden, kaufen ließ, Gottes Füguug, daß sie endlich ihre und des Rindes Spur durch dasselbe entdecken ließ. Und nicht allein äußerlich hatte sie ihre Schwiegermutter so verändert gefunden, welche Herzenstöne standen ihr jetzt zu Gebote, wie sie zu dem Rinde sprach, da sie ihre Verzeihung erflehte; die innere Wandlung war unverkennbar. In ihrer Erinnerung lebte das Bild einer schönen, stattlichen, jugendlichen Frau, aber auch das Porträt, das ihr Gatte nach einer Photographie und aus der Erinnerung gemalt hatte, war noch wesentlich verschieden von der Erscheinung, die ihr gestern hier vor Augen trat. — wie lautete doch der Vers, den die allerliebste Zeitschrift für die israelitische Jugend als Ulotto trua, welche Trudchen vor einigen Tagen heimgebracht hatte? Der freundliche Ortsrabbiner, der in edler Menschenfreundlichkeit seit Jahrzehnten bemüht war, die Heilquelle, die das Seebad noch vor vielen anderen gesegneteil Landstricheli als besonderen Vorzug besaß, der ärnleren Rlasse, besollders den Rindern, zum Segen zu erschließen, hatte dein Rinde öas grüne Heftchen gegeben, ihnl das blonde Lockenhaupt sanft gestreichelt und gesagt, sie solle wama nur freundlich bitten, es sei für große und kleine Rinder, es würde wama selbst Vergnügen bereiteil, sie möge nur abonnieren! „Aus dem Wunde der Rinder und Säuglinge hast Du Dir wacht gegründet.*) Der wund ihres Riildes hatte von dem Bildchen aus stuimn, aber doch so beredt zu dein Herzen der Großiilutter gesprocheil. Und die stuinme Sprache hatte auch sie zur Einkehr geführt!- Tief aufatmend und feltfam bewegt erwachte Fanny aus ihren Träuinen, sie stand auf, zündete eine Rerze an und blickte nach der Uhr, welche die zweite worgenstande kündete; eiligst entkleidete sie sich, und bald senkte sich ein wohlthuender Schlaf auf ihre nlüden Glieder. Als sie ilach einigen Stundeil erquickendeil Schlafes gestärkt erwachte, kleidete sie Trudcheil an mld sagte: „wir wollen der alten Dame einen Besuch machen und ihr Bluiilen bringen. Du bist doch inein verstäildiges wädchen; die alte Dame ist die wutter des seligen Papas. Sie ist auch zu ihrer Erholuilg hier und bedarf der größten Ruhe; sie darf auch jetzt nicht erregt werden, sollst köilnte sie krank werden. Also mein Trudchen wird der liebeil Großmanla einen Ruß und einen schönen Strauß geben und bald zum Spielplätze gehen, während Warna noch ein bischen bei ihr bleibeil wird!" *) Dieses Illotto trug das Titelblatt nuferer Zeitschrift im Zähre 1895.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.