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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 5 (1897) · p. Seite 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
5 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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70 Line neue Welt ging dem Künstlerpaare in der ewigen Sta6t auf; aber eine dünkte IDoIfe schwebte fcocfy über ihrein jungen Lheglück: der Gedanke an die zürnende, ferne, einsame Amtier. Die Verhältnisse geboten dem jungen jOaare die größte Einschränkung, Albrecht hatte dem Rechtsanwälte seiner Amtier, den diese nüt der Regelung seines väterlichen Lrbteils betraut hatte, stolz erklärt, er verzichte daraus, er könne seine Frau ernähren, und so lebten sie einfach, in großer Zurückgezogenheit von dem Lrtrage ihrer Arbeiten. Die Umgegend der ewigen Stadt bot dem jungen Künstler unerschöpfliche Anregungen für seine Landschaften, während Fanny sich inehr nüt Darstellungen von Bildern aus öent gewöhnlichen Leben beschäftigte. Alan nennt solche Bilder Genrebilder (sprich: Schangrbilder). Zwei Jahre später, Gott hatte ihnen einige Wochen zuvor ein kleines Amdchen geschenkt, verunglückte Albrecht bei einem Ausfluge des deutschen Künstlervereins ins Albanergebirge; ohne jede äußere Verletzung brachte man ihn seiner zu Tode erschreckten Frau heim, aber seine inneren Organe waren durch den unglücklichen Sturz zerstört, und nach drei Wochen namenloser Schmerzen, die er mit rührender Geduld ertrug, hauchte der lebensfrische junge Wann in den Armen seiner verzweifelnden Gattin seine Seele aus! — Auf dem israelitischen Friedhofe in Rom hatte Albrecht Salbach seine letzte Ruhestätte gefunden; weder die Geburt des Kindes, noch den Tod des Gatten hatte Fanny ihrer Schwiegermutter mitgeteilt; diese hatte es nicht anders gewollt. Die junge Frau kehrte mit ihrem Kinde, wohlausgerüstet mit Lmpfehlungen des deutschen Künstlervereins, nach der Heimat zurück und wählte Berlin zu ihrem Wohnorte, wo sie binnen kurzer Zeit genügend Arbeit für einen Kunsthändler, der bald ihr wohlwollender Freund und Berater wurde, fand, um sich und ihr Kind zu erhalten. Zhre Arbeiten, denen ein künstlerischer Werk beigemessen wurde, trugen keinen Uamen oder den angenommenen Künstlernamen Werner. Sieben Jahre waren so dahingegangen; nach den schweren Erfahrungen hatte sie allmählich Ruhe und Frieden gesunden. Oft in stillen Stunden war das Bild ihrer Schwiegermutter vor ihrem geistigen Auge ausgetaucht. Und nun begegneten sie sich unverhofft. * 2: ❖ Die Turmuhr des Kurhauses verkündete bereits die achte Stunde, und noch innner sehen wir die junge Amtier an dem Bettchen ihres süß schlummernden Töchterchens in Gedanken verloren sitzen; oft und so auch heute mußte sie sich fragen: „War es recht, Böses mit Bösem zu vergelten? hätte sie nicht, die Jüngere, die Vergebung der vereinsamten Frau dafür nachsuchen sollen, müssen, daß der Sohn, ihr Gatte, seinen Willen dem Wunsche der

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