Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 5 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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welche versprochen hatte, bis nach zurückgelegtem Lehrerinexamen für ihre Nichte in der Pension zu sorgen, sagte sich nach diesem Briefe vollständig von derselben los. Nun war Fanny ganz und gar verlassen. Glücklicherweise befand sich an dem Orte der Pensionsanstalt eine nicht unbedeutende Kunstschule; es gelang der Vorsteherin, für Fanny Stipendien zu erwirken, die ihr den Besuch der Kunstschule und später die Fortbildung in Alünchen ermöglichten. Die bayrische Hauptstadt galt und gilt noch heute als eine der vorzüglichsten Pflegestätten der Kunst, und viele Kunstjünger halten sich dort zu ihrer Ausbildung auf. Auch Albrecht Salbach befand sich unter den Studierenden Münchens. Der junge Analer hatte bereits Proben seines Talentes und Fleißes geliefert, als er eines Tages auf der Lüste' der Studierenden den Namen seiner Tousine „Fanny Salbach" las. Tr fand auch bald Gelegenheit, die Bekanntschaft mit ihr zu erneuern, und sowohl das verwandtschaftliche Gefühl, als auch die gleichen Neigungen für die Kunst führten die Herzen beider näher aneinander. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn war nach wie vor ein unfreundliches. Albrecht wußte wohl, was er seiner Mutter schuldete; aber sein stolzer, unbeugsamer Sinn — ein Erbteil seiner Mutter— und die unüberwindliche Neigung zur Kunst ließen es nicht zu, daß er, dem Munfche der Mutter entsprechend, die nun eingeschlagene Laufbahn zu verlassen, so innig er seine Mutter auch liebte. Auch sie verharrte in der Versagung ihrer Einwilligung. So kam es, daß die Kluft zwischen Mutter und Sohn fortbestand, die zur völligen Entfremdung führte, als Albrecht seiner Mutter mitteilte, daß er seine Tousine Fanny in A tünchen wiedergesehen und eine herzliche Zuneigung zu ihr gefaßt habe. In seiner Hoffnung, die Mutter werde nunmehr ihren Miderstand aufgeben und nicht nur in die Mahl seines Berufes einwilligen, sondern auch die für Fanny gefaßte Herzensneigung billigen und den beiden Glücklichen ihren Segen geben, sah er sich bitter getäuscht. Zu fest hatte sich Frau Salbach in ihre große ungerechtfertigte Abneigung gegen Kunst und Künstler eingelebt; in der Antwort auf den Brief ihres Sohnes, worin sie die Mißbilligung über die Mahl seines Berufes, noch mehr aber über di eMahl seines Herzens aussprach, siel das Mort „fahrendes Volk" — ihr Lieblingsausdruck für Künstler —. Das löste noch den letzten Faden, der Mutter und Sohn zusammenhielt, die Kluft war nun unüberbrückbar geworden; die einander erfreuen uno beglücken konnten, waren nun für inrnler getrennt — sie sollten sich nicht Wiedersehen.- Fanny war von München in die Pension zurückgekehrt; aus den Händen der ihr so mütterlich gesinnten Vorsteherin empfing Albrecht Salbach seine junge Braut; es war eine ernste, stille hochzeitsfeier; das junge paar reiste sofort nach der Trauung nach Italien.