Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 5 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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oHQl" (Nachdruck verboten.) Erzählung für die reifere Jugend von Regina rtciffcr. (Schluß.) „Aus dein Munde der Rinder und Säuglinge hast Du Dir Macht gegründet." Es war" geradezu wie eilt Hohn des Schicksals, daß die Frau, welche keinen sehnlicheren Wunsch hegte, als daß ihr einziger Sohn Albrecht einst den Glanz des alten Handlungshauses als Träger der weltbekannten Firma fortsetzen sollte, nun nachdem er sein Abiturientenexamen bestmiden hatte, die Wahrnehmung machen mußte, daß er nicht die geringste Neigung für den kaufmännischen Berus verspürte. Bon hohen künstlerischen Interessen beseelt nnd mit einem guten Talent für das Zeichnen ausgestattet, wollte er sich der Aunst widmen und die Ulalerakademie in Düsseldorf beziehen. vergebens bat und beschwor Frau Salberg den Sohn, ihr zu liebe aus.die Wahl eines Berufes zu verzichtet!, der ihr nicht gefiel; die Liebe zur Aunst wurzelte jedoch v zu tief in dem Jünglinge, vergebens hoffte die Ulutter auf eine Sinnesänderung des geliebten Sohnes; ihre Bitten und Thränen erwiesen sich als fruchtlos, und statt einzusehen, sie könne und dürfe ein aufstrebendes Talent nicht in falsche Bahnen drängen, überschüttete sie den Jüngling mit Vorwürfen und entfremdete sich dadurch den Sohn nur noch mehr. Fanny hatte mittlerweile in der Aensionsanstalt sich die Liebe der Vorsteherin und der Lehrerinnen erworben, obgleich sie kein anschmiegendes Aind, eher herb und unzugänglich war, aber nicht minder die Liebe ihrer Mitschülerinnen. Ihr trauriges Schicksal, daß sie ganz verwaist, wenn ihre Gefährtinnen zu den Ferien in's Elternhaus glückselig uud froh heimkehren durften, während sie jahraus jahrein in der Pension verblieb, ihr Lerneifer, hre Wahrhaftigkeit und Hilfsbereitschaft gewannen ihr aufrichtige Freundschaft und Wertschätzung. Schon frühzeitig machte sich bei dem jungen Ulädchen ebenfalls eine ungewöhnliche Begabung für die Aunst, das Erbteil ihres Vaters, bemerkbar, und bei den Schulprüfungen erregten ihre Zeichnungen stets Aufsehen, so daß in dem Heranwachsenden wädchen sich der Wunsch mehr und mehr befestigte, statt zur Lehrerin sich zur Ulalerin auszubilden. Frau Salbachs Zorn und Schmerz war grenzenlos, als ihr Sohn, entgegen allen ihren Vorstellungen, sich doch dein ihr so tief verhaßten Aünstlerberufe zuwandte, und steigerte sich noch bei weitem, als ihr, der natürlichen Beschützerin ihrer verwaisten Nichte, mit den vorzüglichen Schulzeugnissen die nicht minder trefflichen Zeichnungen derselben gesandt wurden. Fanny hatte soeben ihr 16. Jahr zurückgelegt, als die Vorsteherin schrieb, es wäre das größte Unrecht, der Aunst eine so begeisterte Iüngerin zu entziehen. Frau Salbach,