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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 4 (1897) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
4 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 3cf? sah das Bildchen „verlassen" in der Berliner Kunstausstellung, das rührende Kindergesicht, in denn ich Albrechts Züge fand, die zarte Gestalt fesselte mich unbeschreiblich. So mochte ,nein Enkelkind vielleicht verlassen, verwaist an den Gräbern seiner Eltern stehen. Zch kaufte das Bildchen und forschte nach dem Nanren der Künstlerin." Die alte Daine hielt erschöpft inne, während die junge Frau unwillkürlich einen Schritt zurückwich, mit den Augen angstvoll die Kleine suchend, die zu sich selbst sprechend noch immer ihrer Beschäftigung oblag. Die Schwiegermutter lenkte ihren Blick irach derselben Richtung. Da begegneten sich die Blicke der beiden Frauen; ruhig fragte die jüngere, jede direkte Anrede vermeide, 6°. „Du bist allein hier?" Die ältere neigte bejahend das Haupt. „Ohne Gesellschafterin?" fragte Fanny weiter. „Ich wünsche keine!" „G Fanny, Fanny", fuhr sie im bebenden Flüstertöne fort, „meine Schuld ist zu groß, als daß ich Deine Verzeihung erflehen, auf diese hoffen dürfte, aber das laß mich Dir sagen, schwer, unsagbarschwer habe ich gebüßt und büße ich noch, am ,„eisten in dieser Stunde, da Du nrir den Ulutternamen verweigerst, den ich wohl verwirkt habe, nach dem aber meine Seele sehnend lechzt. Zch habe nach Dir und dem Kinde gesucht und geforscht, Zahre lang, bis mich endlich Gottes Fügung das Bild und durch dasselbe Euch finden ließ. Zch verzehrte mich in dein brennenden verlangen, Dich, und Dein und Albrechts Kind wiederzusehen. Einmal nur wollte ich nrein Enkelchen an mein Herz drücken. Als ich das liebe Geschöpf sah, als mich aus seinen Augen die meines Sohnes grüßten, da konnte ich mich nicht so schnell trennen. Kannst Du es mir verdenken, Fanny?" Die junge Frau schüttelte langsam das Haupt. „Du hast ein Recht, das Kind zu sehen, aber vergiß nicht, das Kind hat nur mich!" „Das ist hart, aber ich hab's nicht anders verdient. Darf ich das Kind Wiedersehen?" „Ich kann es Dir nicht wehren, doch wir bleiben für einander Fremde." Schwer aufseufzend beugte die Greisin das Haupt. A)ie wir ihre Härte ein wenig zu mildern, reichte Fanny ihrer Schwiegermutter die Hand, rief Trudchen zu sich, die der ,Fremden Dame" freundlich zunickte, und eilte mit dem Kinde schnell davon. Die alte Dame wandte sich hastig zurück, um ihre aufquellenden Thränen zu verbergen, und in den Dünen, wo sie niemand sehen und beobachten konnte, blieb sie stehetl und blickte schnterzvoll der schlanken Gestalt mit dein zierlichen Kinde ihr zur Seite nach, bis diese ihren Blicken entschwanden. Die unverhoffte Begegnung mit ihrer Schwiegertochter und deren Kinde brachte ihr die Schuld, von der sie sich bedrückt fühlte, zum schmerzliche,! Bewußtsein. Jahrelang war sie im Gefühl begangenen Unrechtes unablässig bemüht, den Aufenthalt Fanny's und ihres Kindes ausfindig zu

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