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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 4 (1897) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
4 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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— 52 — weile 7 Uhr geworden, und nur noch einige Kinderspielten dort; ober Trudchen war nicht unter ihnen. Ihr Herz begann in wilden Schlägen zu klopfen, als „um ihr sagte, Trudchen sei schon nach Hause gegangen. Wo war ihr Kind? War es wirklich hei,„gekehrt, so müßte sie ihn: doch begegnet sein. Eilig in namenloser Angst begab sie sich wieder auf den Rückweg. Kann, war sie bis hinter die Dünen gekommen, da tönte die Helle Stimm? ihres Kindes munter plaudernd an ihr Ohr. Sie wollte rufen, doch der Ton erstarb ihr in der Kehle. Was war das? Diese Stimme, die da so zärtlich, so weich, so liebevoll zu ihrem Kinde sprach, die kannte sie nur zu gut. Und die alte Dame, die da nnt Trudchen an der Hand so langsam, gesenkten Hauptes, das Kind mit liebevollen Blicken umfangend, einherschritt, — nein, es war keine Täuschung, hatten auch Zeit und beiden mit ehernem Griffel ihre unauslöschliche,, Spuren in dieses einst so schöne, stolze Frauenantlitz gezeichnet, es war ihr dennoch wohlbekannt. Sie erblaßte jäh und faßte nach einer Stütze; ihre Finger fanden nur die leichte Weideneinfaffung der Dünen; einen Augenblick schien es, als würde die junge Frau' in die Knie sinken, überwältigt von dem Schrecken, über die so unerwartete Begegnung mit dieser Frau. Doch nur einen Augenblick; dann richtete sie sich mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft stolz aus, und nnt fest aus einander gepreßten Lippen und düster blickenden Augen schaute sie den Ankommenden entgegen:. Die Kleine sah die Ulutter. „Klama, Ulanra, das ist die alte freundliche Da,ne, Du weißt 5ocb I" und sie versuchte ihreBegleiterin, die jäh zusammenzuckte, an der Hand weiter zu ziehen. Doch es gelang ihr nicht. Denn wie gebannt war diese stehen geblieben und schaute sprachlos zu der starr dastehenden jungen Frau hinüber. „Kleine Klama ist so gut und lieb/' ermunterte das Kind. In diesem Augenblicke wurde Trudchens Gedanken eine andere Richtung gegeben. „O die vielen Blumen," jubelte sie auf, und schon pflückten die kleinen Hände nach Herzenslust. Ihre Klutter und die Fremde standen sich noch wortlos gegenüber; ihre Blicke senkten sich ineinander, der der jnngen Frau kalt und fremd, der alten trübe und flehend. Die alte Da,ne fand zuerst Worte. „Verzeihe, Fanny, ich wollte Deinen Weg nicht kreuzen, aber des Kindes wollte ich mich erfreuen!" Jene wollte kühl antworten, doch ihre Kehle war ihr wie zugeschnürt beim längeren Anblick ihrer Schwiegermutter! Was war aus der schönen, stolzen Frau geworden! Sie sah viel älter aus, als sie war, nicht nur das Antlitz trug die Spuren verheerenden Gran,es, tiefster Seelenleiden; die einst so hohe, vornehnie Gestalt erschien gebeugt, kraftlos, das Haar war gebleicht. Die Schwiegertochter vermochte nur hervorzustammeln; „Du hier?" ,,Ia, so lange schon wie Du und Trudchen!" und einige Schritte näher tretend, bebend vor Erregung fuhr sie fort: „Ich bin Euch gefolgt»

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