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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 3 (1897) · p. Seite 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
3 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 45 (sequence 13)
Language
German
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45 durch unseren Tod zu bekümmern, wird Gott uns nicht verlassen." Vor meiner Seele stand das Bild meiner guten Ulutter; wie mochte sie sich um ihr Söhnchen bangen, während mein lieber Vater in einer fernen Stadt weilte, um eine neue Nahrungsquelle für seine Familie zu erschließen. Gewiß hatte er keine Ahnung davon, daß seinem Anaben inzwischen der Hungertod drohe. Wir stellten uns in der Butte des Gotteshauses unter dein großen Aronleuchter auf, der an einem himmelblauen Seile befestigt war. Dieses führte hinaus zu einem kleinen Türmchen von achteckiger Gestalt. Die acht Seiten wurden von ebensoviel ^euftcnt gebildet, die Decke aber war von himmelblauer Farbe und mit goldenen Sternen übersät. Warum wir diese Stelle anssuchten, ich wag's nicht zu sagen. Vor den heiligen Altar zu treten, davon hielt uns die Scheu uiid das Bewußtsein begangenen Anrechts ab. Unser Gebet war kurz! „Gedenke unser zum Leben, o Aönig, der du am Leben Wohlgefallen hast, thue es um deinetwillen, Gott des Lebens. Thue es um der guten Eltern willen, die nichts gefehlt haben, die durch den Tod ihrer Söhne tief betrübt würden. Thue es um unseretwillen, die wir gefehlt, aber unsere Sünde bereuen. Nie wollen wir wieder aus Leichtsinn fehlen, o, errette uns!" Nach diesem inbrünstigen Gebet zog tiefer Friede in unsere Seele ein. Uttr war es zu Amte, als ob ich schon erretet wäre, als säße ich daheim bei dem guten UAitterchen, und die habe mir schon mein Unrecht vergeben. Wir flössen Thränen der Rührung von den Wangeil, mir war gar nicht mehr baiige, ich fühlte vieine Seele frei von aller Not und sprach also zu meinem Freunde: „Wenn wir mit Gottes Hilfe befreit werdeii, danii wollen wir diese heilige Stätte nicht wie Flüchtlinge verlasseii, deiin das wäre undankbar gegen Gott, dein dieses Haus geweiht ist, uiid der uns zu unserem heile hier zurückgehalten hat." Wir hielten uns baldiger Erlösung versichert. Wir bangten nicht, als die Sonne uiiterging und Fiilsternis deii weiteii leeren Baum erfüllte, keiii abergläubisches Grauen beschlich uns, als der Vollmond sein bleiches Licht durch das bunte Feilster oberhalb der heiligen Lade an der Ostwand sandte. So feltfam auch und ungewohnt uils das Gotteshaus in dieser Beleuchtung erschien, wir bangteil nicht. Dabei schimmerte und flimmerte es so sonderbar in deiii weißgetünchten Raume, die hölzeriien Säuleir, die den balkonartigen Vorbau der Frauensynagoge trugen, sie erschieneil gleich mächtigen Riesen. Die Walereien an der' östlichen Wand zeigten in der flackerndeil Beleuchtung die feltfamften Bewegungen. In der Witte über der heiligeil Lade unter dem bulltfarbigen Fenster befaild sich eine runde Scheibe, auf ihr prangte der heilige nie ausgesprochene Naine des Ewigen. Auf diese Scheibe hielt ich meinen Blick gerichtet, und mein Leidensgenosse, der neben mir hllatz genonimen hatte uiid meine Rechte in der seinen hielt, that ebenso. Wir wandte 3

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