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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 3 (1897) · p. Seite 44

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
3 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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44 So ganz wohl um’s Herz war es ihm dabei gewiß auch nicht, und so suchten wir Trost im Gebet. Wir empfanden jetzt das Unrecht, das wir begangen hatten, indem wir beim Gottesdienste so wenig andächtig gewesen waren, und wir beschlossen, das Versäumte nachzuholen. So betete ich laut das Nunchagebet vor, und dann sprach Albert das NIaariwgebet. Dabei schwand die Beunruhigung dahin, die uns gepeinigt hatte. Wir begangen darüber nachzudenken, wie wir, im äußersten Notfälle, uns selbst aus der gefährlicheil Lage befreien wollten. Zuvor aber gelobten wir einander, vor Sabbatausgang nichts zu unternehlnen. Uns bei verschlossenen Fenstern durch Busen bemerkbar zu lilacheil, war kaunl lnöglich, das verwehrte die Dicke der NIauern. Überdies steht unsere Synagoge imnitten eines Gartells mn Ende des Städtchens, und nur wenige Fußgänger kamen dort vorbei. Gin Fenster zu öffnen wäre das Einfachste und Sicherste gewesen, wenn es uns nur erreichbar wäre; aber die großen Spender des Lichtes lagen so hoch, daß wir kleinen Nnmner, selbst wenn wir auf eine der Bänke stiegen ulid uns lloch des zuln Auzüllden der Aronleuchterkerzen bestilimlten Stockes bedienten, nicht einmal den untern Band erreichen konnten. Ich kanl nun auf den Gedanken, wir möchten bei Anbruch der Nacht alle Aerzen Mlzünden, um durch die ungewöhnliche Beleuchtung des Gotteshauses die Aufmerksalnkeit irgend eines Vorbeikommenden zu erwecken. Nur stiegen in uns Zweifel auf, ob wir berechtigt seien, am Sabbat nach Zündhölzern zu suchen, die wir doch abends nicht finden konllten. Da fiel uns ein, daß - unser Lehrer, Alberts Vater, uns erzählt hatte, liran sei in Fällen dringender Lebensgefahr von der Erfüllung der Sabbatgebote befreit. Schrecklich war uns der Gedanke, daß wir uns in Lebensgefahr befanden; völlig bestürzt aber waren wir, als wir mr der Stelle, wo nach Alberts Behauptung die Zündhölzer sonst aufbewahrt wurden, nur eine leere Schachtel vorfanden. In de. Hoffnung auf Selbsthilfe sahen wir uns betrogen. Die Zeit des Abendessens nmßte nach unserer Vermutung längst vorüber sein, und niemand nahte zu unserer Befreiung. Ein Hoffnungsschimmer blitzte mit den, Gedanken auf, es könne ein Nutglied der Gemeinde im Laufe der Woche, gar wohl schon morgen seine „Jähheit" in der Synagoge abhalten, und schon schickten wir uns an, das in inbrünstigem Gebete zu erflehen. Aber das Thörichte solche,, Beginnens leuchtete uns sofort ein. „Wie ist es möglich", so sagte ich zu Albert, „durch unser Gebet es zu erreichen, daß morgen eine Iahrzeit stattfinde, dazu ,„uß ja der Angehörige eines Gemeindemitgliedes genau vor einem Jahre verstorben sein. Ein solches Zujammentreffen würde für uns ein unverdientes Glück bedeuten, aber herbeigeführt kann es durch kein Gebet werden, und so unnütz beten, sei sündhaft. Nein, wir wollen unsere Bettung Gott anhei,„stellen, er wird sich unser annehmen, wenn wir auch gegen ihn und noch ,„ehr gegen unsere guten Eltern gesündigt haben; schon um ihretwillen, u,n sie nicht

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