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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 3 (1897) · p. Seite 43

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
3 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
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— 43 — und stritten darüber, ob der Löwe oder der Tiger das stärkste Tier sei; schließlich erkannten wir dem Löwen eine größere Kraft zu. Als ich aber einmal in einer Menagerie, die sich in meiner Heimat vorübergehend aufhielt, den Elefanten gesehen hatte, da war ich geneigt, den Löwen als König der Tiere abzusetzen; denn das war doch klar, daß der Elefant wie an Größe so an Kraft allen anderen Tieren überlegen ist. Albert aber meinte, nicht auf die Körperkraft konnne es dabei an, gewiß fei auch unser König nicht der stärkste Mann im Lande, aber keiner könne sich an Tapferkeit und Groß,nut ihm vergleichen. Das war gewiß nicht thöricht gedacht von einem achtjährigen Knaben, ich glaube, kein „Großer" brauchte sich solchen Ausspruchs zu schämen. Gewiß, mein Albert war weit über seine Jahre hinaus verständig, und ein frommes Herz besaß er auch. A)er hätte ihm aber die Anstiftung zu dem streich Zutrauen mögen, den ich Euch hier erzählen will. Also, wir besuchten an einem schönen Sabbat im Spätsommer wie gewöhnlich den Nachmittagsgottesdienst. Mir Unzertrennlichen saßen natürlich zusammen auf einer der hintersten Sitzreihen. Niemand achtete unser; denn niein Vater war aus einer Geschäftsreise abwesend und der Alberts in seiner Eigenschaft als Vorbeter von seiner heiligen Aufgabe voll in Anspruch genommen. Indessen hing feilt sonst so frommes Söhnchen unheiligen Plänen nach. Es sollte dem Synagogendiener ein Streich gespielt werden. U)ir beide sollten uns nach beendigtem Gottesdienste unter einer Bank verstecken und von dem mürrischen alten Manne einschließen lassen, alsdann wollten wir rufen und ihn zwingen, unsertwegen noch einmal auszuschließen. Dieses alberne Vorhaben verursachte uns im voraus so viel Vergnügen, daß es mit unserer Andacht bei jenem Gottesdienst gar schlecht bestellt war. Unser jAan sollte über unser Erwarten gelingen. Alberts Vater verließ im Gespräche mit unserem würdigen Vorsteher das Gotteshaus; wir bösen Buben folgten den übrigen Betern bis zur Thür, um da stehen zu bleiben und schnell hinter die letzte Bank zu schlüpfen. Bald drehte sich der schwere Schlüssel und verschloß die Innen-Thür; nun wollte ich eben meine Stimme erheben und den Synagogendiener zurückrufen, das genügte aber Albert nicht. Es vergingen wohl nicht mehr als lO Sekunden, da schob sich der Riegel knarrend vor die Außenthür. Nun riefen wir beide aus Leibeskräften, aber der schwerhörige Mann vernahm uns nicht mehr: wir waren Gefangene. Ich war zu Tode erschrocken; blitzschnell fuhr es mir durch den Kopf, daß erst am nächsten Freitagabend die Synagoge wieder geöffnet würde; bis dahin aber wären wir sicher Hungers gestorben. Albert beruhigte mich, die Eltern würden uns ja spätestens zum Abendbrot vermissen, und da uns niemand habe hinausgehen sehen, so müsse man sofort erraten, wo wir uns befinden. Das werde zwar ohne gelinde Zurechtweisung nicht abgehen; nun! die würden wir eben erdulden.

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