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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 3 (1897) · p. Seite 40

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
3 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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40 selben bemüht. Vor allen Dingen nahm sich der 20jährige Jacob Rodriguez seiner Schwester an. Mit Eifer studierte er Schriften, die über den Unterricht Taubstummer berichteten. 1741 verliess Pereira Portugal und siedelte nach Bordeaux in Südfrankreich über, wo er sich als Kaufmann niederliess und seinen Namen in Pereire änderte. Immer wieder fesselte ihn das Interesse für die Taubstummen und ihre Bildung. In La Rochelle, wo er zufällig geschäftlich zu thun hatte, fand er einen jüdischen Taubstummen von 13 Jahren, den er mit Erfolg im Sprechen unterrichtete. Eine öffentliche Prüfung desselben vor der dortigen Akademie machte berechtigtes Aufsehen und lenkte die Aufmerksamkeit auf den Lehrer. Der Direktor der Pachtgüter von La Rochelle übergab ihm seinen Sohn, doch erst nach langem Ueberlegen, da Pereire ein Jude war, nur auf Anraten der Benediktiner. Diese empfahlen ihn als den „einzigen Menschen, welcher den Taubstummen die Sprache geben könnte.“ Ein förmlicher Vertrag wurde abgeschlossen, nach welchem der Lehrer versprach, dem jungen d’ Etavigny die notwendigsten Kenntnisse der Lautsprache beizubringen. Dafür sollte er 3000 Livres" für ein Jahr erhalten. Pereire siedelte nach Beaumont über und begann seine unL nächtliche Thätigkeit. Schon nach vier monatlichem Unterrichte stellte er seinen Sehüler der Akademie zu Caen vor. Leider zog d’Etavigny seinen Sohn vor Ablauf der festgesetzten Zeit zurück. Mit einem Zeugnis des Benediktiner-Priors über seine Leistungen wandte sich Pereire nach Paris. Einer Aufforderung des Yicekönigs von Sardinien, die Ausbildung seiner taubstummen Nichte zu übernehmen, folgte er nicht. Da kam noch einmal der Vater seines früheren Schülers mit der Bitte, das unterbrochene Bildungswerk wieder aufzunehmen. 1749 im Sommer stellte Pereire seinen ausgezeichneten Schüler der Akademie der Wissenschaften zu Paris, dem höchsten Forum der Wissenschaft in Frankreich vor. Eine besondere Denkschrift über den Unterricht der Taubstummen überreichte er gleichzeitig, hütete sich aber, bestimmte Anhaltspunkte für seine Methode zu geben. Die Bevollmächtigten der Akademie äusseiten sich sehr günstig über die Unterrichtserfolge, ja sie hofften sogar, dass Pereire seinen Schüler dahin bringen würde, das ihm Vorgesprochene von den Bewegungen der Lippen abzulesen. Bald darauf wurde ihm ein neuer Schüler Sarboureaux de Fontenay zum Uuterricht übergeben. Dieser Taubstumme, der sich durch seine Begabung und durch seinen eisernen Fleiss ein bedeutendes V issenund eine bei Taubstummen äusserst seltene Herrschaft über die Sprache aneignete, hat seinem Lehrer einen dauernden Ruf gesichert. Die Akademie stellte nach einer Prüfung fest, dass dieser Schüler alle Laute und Wörter der französischen Sprache deutlich und klar aussprach, den Sinn

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