Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 3 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 39 — sie ist immer so freundlich zu mir, sieht mich immer so traurig an, und grüßen muß ich sie doch, nicht wahr?" Die Mutter nickte gedankenvoll; schon war Trudchen davon geeilt, seltsam, sie war der alten Dame noch nie begegnet, die ihr Rind doch täglich sah, und von der Trudchen ihr immer erzählt hatte, wie gut und freundlich sie sei, ja sie habe sie aus den Arm genommen und geküßt. _ (Fortsetzung folgt.) Jacob Rodriguez Pereira. „Es wird keine Taubstummen mehr geben, sondern nurTaub-Sprechende“. Diese AVorte bargen etwas ungemein Tröstendes in sich für alle Menschenfreunde. Ganz besonders werden aber diejenigen von dem hohen Wert dieses Ausspruchs überzeugt sein, welche Gelegenheit hatten, mit solchen Unglücklichen zu verkehren. Sie werden eingesehen haben, dass nur durch die Sprache der Taubstumme der Menschheit wiedergegeben werden kann. „Es wird nur Taub-Sprechende gebenI“ Diese Worte im Jahre 1749 der Akademie zu Paris zugerufen, sind ein Erlösungswort geworden, für viele dieser Unglücklichen, hoffentlich bald für alle. Versuche, Taubstumme sprechen zu lehren, waren schon früher gemacht worden, neu war der Gedanke nicht; aber so klar war das Ergebnis mühseliger, aufopfernder Arbeit der Welt noch nicht gesagt. Und von wem? Von einem Kaufmann, den die Liebe zu seiner unglücklichen Schwester zum Lehrer machte, zum ersten Lehrer der Taubstummen in Frankreich, wie die Inschrift am Fusse des Reliefs einer ihm gewidmeten Erinnerungstafel zeigt. Jacob Rodriguez Pereira, einer jüdischen Familie entstammend, erblickte 1715 im spanischen Städtchen Balanga das Licht der Welt. Sein Vater, ein Handelsmann, wanderte später nach Portugal aus und liess sich bei Lissabon nieder. Schon früh zeigte Pereira eine ausserordentliche Neigung wie auch ein vorzügliches Talent für mathematische Wissenschaften. Sein lebhabfter Geist und eine grosse Ausdauer erleichterten ihm die Aneignung einer gründlichen Bildung und umfassender sprachlicher Kenntnisse. Neben .seiner Muttersprache, dem Spanischen, verstand er das Portugiesische, Französische, Lateinische und Hebräische. Sogar dichterische Fähigkeiten sind ihm nicht abzusprechen, wenn seine Gedichte auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Die Familie Pereira hatte das Unglück, ein taubstummes Mädchen zu besitzen, und Eltern und Geschwister waren um die Ausbildung des-