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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 3 (1897) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
3 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 Verbeugung trat er nun in die halboffene Küchenthür, während Frau Werner die Kleine von ihrem Schoß gleiten ließ und sich erhob. Sie war eine noch jugendliche Erscheinung von vornehmer Haltung, deren seine regelmäßigen Gesichtszüge aber älter erschienen durch einen tiefernsten Ausdruck, der von schweren Erlebnissen zu erzählen schien, der allerdings im Verkehr mit ihrem Kinde vollständig verschwand, aber bereits jetzt wieder hervorzutreten begann. Der Kunsthändler bedauerte es säst, das hübsche Bild, das ihm Mutter und Kind in ihrem innigen Gespräche, das sie seine Schritte auf der Treppe ganz überhören ließ, geboten, so schnell zerstört zu haben; doch rasch einen Schritt näher tretend und sich noch einmal tief verbeugend, bat er: „Verzeihen sie die Störung, verehrte Frau, der schwere Kunnner Ihrer kleinen Tochter geht mir sehr zu Herzen, und ich freue mich, denselben lindern zu können, da ich der Ueberbringer froher Botschaft bin! Trudchens Vertrauen macht mich stolz, — er nickte dem lieblichen Kinde freundlich zu — ich werde es mir auch ferner zu erhalten suchen. Treffen Sie nur Ihre Dispositionen zu Ihrer Sommerreise, Sie können dies getrost, Ihr reizendes Bildchen „Verlassen" hat, wie mir soeben gemeldet wurde, einen Käufer gefunden, und einen Teil des Kaufpreises können Sie nicht besser verwenden als zu einem mehrwöchentlichen Aufenthalte auf dem Lande oder an der See, der Ihnen und dieser kleinen Person sehr wohl thun wird. Sie selbst sehen schon lange blaß und erschöpft aus, und für Trudchen liegt die Gefahr nahe, bei ihrem lebhaften Empfinden nervös zu werden, wenn Sie nicht mit ihr einmal in den Sommerferien der Großstadt entfliehen." „Sie würden also auch mit den Bestellungen einige Wochen warten?" fragte Frau Werner mit frohem Aufleuchten ihrer ernsten Augen. „Gewiß, gern," erwiderte Herr Berger, „Konnn, kleine Leldträgerin, gieb mir Dein Händchen und trockne Deine Thränen. Du gehst mit Mama in die Sommerfrische." „Siehst Du, Mütterchen, er ist so gut, er kann's, er thut's." In: Uebermaffe Ihres Entzückens reckte sie sich - auf die Fußspitzen und bot dem Kunsthändler ihre rosigen Lippen zum Kuß. „Trudchen, Kind, wie bist Du so stürmisch und zudringlich!" Ein tiefes Rot der Verlegenheit bedeckte für einen Moment das feine Antlitz der jungen Frau; mit stiller Bewunderung ruhten die Augen des Kunsthändlers auf demfelben; er gab das Kind sofort frei, das er in seine Anne genommen hatte. „Verzeihen Sie, verehrte Frau, aber Trudchen ist entzückend in ihrer frischen Natürlichkeit." i Frau Werner lächelte fast schmerzlich: „Ich glaube, ich werde Trudchen strenger erziehen müssen." „Nein, nein," warf Herr Berger lebhaft ein, „Strenge wäre bei diesem zarten Kinde nicht angebracht; aber ich rate Ihnen dringend, suchen Sie bald mit Beginn der Ferien eine Sommerfrische auf."

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