Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 3 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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B5 ZHunö der Mutier zum Ruß, um gleich darauf in Heller Aufregung auszu rufen: „And denk' Dir mal, Mütterchen, Ritters gehen in öicfem Sommer in die Sommerfrische!" „So," meinte lächelnd die Mutter, „daher also das „bischen sehr Drücken" auf den Rnopf." „Ja, sieh' mal, Mamachen, und Lottchen und Elschen sagen, dort ist es so schön! lauter grüne Bäuine, viel grüner als im j?ark, und viel, viel schönere Rasenplätze und Spielplätze, und Sand zum Graben, und Schaukeln, und Tauben, Hühner und Enten! — Mama, können wir denn da nicht auch hin?" „Aha, also das ist es, was mein Rind in solche Aufregung bringt?" ^rau Merner setzte sich aus den Rüchenstuhl, und ihr Rind auf den Schoß hebend, schaute sie diesem zärtlich in das erregte Gesichtchen. Die Meine war ein bildschönes, aber sehr zartes Geschöpfchen, dessen ausdruckvolle dunkelblaue Augen fast noch eindringlicher zu sprechen verstanden als der rosige kleine Mund, den die Mutter innig küßte. „Mird mein Trudchen auch nicht weinen, wenn Mama sagt: „Nein, das können wir nicht?" Aber da waren sie auch schon, die Thränen, und perlten in großen klaren Tropfen über die zarten Mangen, den zuckenden Mund: „Aber, liebe Mama, ich möchte doch so gern." Die Mutter streichelte liebevoll das goldene Lockenhaar ihres Rindes, das sich fest gegen ihre Brust gedrückt hatte. Sie unterdrückte einen Seufzer und lächelte, und ihZ Stimme klang zärtlich und aufnrunternd, als sie sagte: „Höre, niein Liebling, Du bist schon ein vernünftiges kleines Mädchen, weißt Du denn nicht, daß Mama Pflichten hat, die sie hier festhalten? Du weißt dasIncht? schüttelst den Ropf? Nun, paß einmal auf! Mer sollte inzwischen alle die Schalen, Tassen, Fächer u. s. w. für den guten freundlichen Herrn Berger nralen, wer sollte dies wohl thun, wenn Mama inzwischen fortreisen wollte?" Trudchen hatte das Röpfchen erhoben und aufmerksam zugehört, und nun rief sie plötzlich strahlend und eifrig: „(D Mamachen, da wartet er einfach, er ist ja so gut!" Die Mutter lachte herzlich, schaute aber in demselben Augenblicke überrascht nach der Thür, die sie, da sie in der Rüche noch beschäftigt war, die letzte Hand an das bescheidene Mittagmahl für sich und ihr Rind zu legen, der Hitze wegen offen gelassen halte, in deren Rahmen sie eine kräftige Männergestalt erblickte. Ein herzliches Lachen ertönte auch von dort, und eine volltönende Männerstimme rief: „Bravo, kleine Trude, Du hast Recht! Das wird er gern thpn, und Maina geht mit Dir in die Sommerfrische." Herr Berger hatte unbemerkt von Mutter und Rind schon ein Meilchen in der Thür gestanden und die kleine Scene mit angehört. Mit respektvoller