Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 3 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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34 schlimmer, denn der Rlensch mit seinem verstaube kann nach gefährlicher und grausamer sein als ein Tier, vor öem inan sich doch noch schützen kann. Deswegen sagt der Talmud (Sprüche der Väter 1,18) sehr richtig: „Durch drei Dinge wird die Welt erhalten: durch Recht, Wahrheit und Frieden." Obenan steht also das Recht. Und gegen nichts haben die Propheten mehr geeifert, nie sind ihre Strafreöen flammender gewesen, als wenn sie gegen die Ungerechtigkeit der ^Mächtigen, der vornehmen mV Reichen sprachen. Hütet euch also, jemals parteiisch Zn werden; sorget da,ür, daß Recht immer Recht bleibe: und laßt euch nicht verleiten ungerecht Zu sein, einen Freund oder eine Freundin vorZnZiehen oder ihnen Recht Zu geben, wenn sie euch vielleicht etwas geschenkt haben. So ein Geschenk nennt man Bestechung, und „Bestechung blendet die Angen der weisen und verkehrt die Worte der Gerechten", wie es in dem oben angeführten Verbote heiht. Das will sagen: wer sich bestechen läßt, sieht nicht mehr, wo das Recht ist, sondern giebt öem Recht, der eigentlich Unrecht hat; wer sich bestechen läßt, spricht nicht niehr, was wahr ist, sondern nur noch Unrecht; der kehrt also das Recht in Unrecht und das Unrecht in Recht um. Run werdet ihr die Worte des mosaischen Verbotes, wenn ihr es noch einmal leset, besser verstehen. Das sicherste Alittel, um immer gerecht Zn sein, giebt uns ein Wort des Talmud (Labb. 3l); es lautet: „was dir nicht gefällt, das thue auch keinem andern". Bei allem also, was wir jemandem thun, oder was wir über ihn reden wollen, müssen wir uns fragen, ob es uns gefallen würde, wenn er uns dasselbe thäre oder ebenso von uns reden wollte. Und wenn wir uns sagen müssen, datz es uns nicht gefallen würde, so i: .ss^n wir es unterlassen. Thun oder sagen wir es aber dennoch, so sind wir ungerecht, begehen eine Sünde, und das Gewissen wird uns immer wieder Vorwürfe machen. Die Ulenfchm aber werden uns nicht lieben, sondern mit der Zeit hassen nnö vielleicht auch gegen uns ungerecht werden. Ulerket euch auch den Spruch Salomos (22,8): „wer Unrecht säet, wird Unheil ernten". Lügungen. (Nachdruck verboten.) Erzählung für die reifere Jugend von Regina Neisser. „Aus dem Munde der Rinder und Säuglinge hast Du Dir Macht gegründet." „Trudchen, Rind, wie konntest Du mich so erschrecken? Du hast ja sörmlich Sturm geläutet", empfing Frau Werner ihr aus der Schule heimkehrendes achtjähriges Töchterchen an der geöffneten Thür eines Vorraumes, der Entree und^Aüche bildete und in Sauberkeit strahlte. „Ja, aber Mütterchen, ich Hab' nur ein bischen sehr auf den Anops gedrückt", entschuldigte sich das Rind kleinlaut und bot den frischen kleinen