Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 2 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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29 und magerer wurde, konnte schließlich das Glend nicht länger mehr mit anseheii. Darunl schlich er eines Abends, als die Kranke gerade in Schlummer gesunken war, heimlich von Hause fort, um milde Gaben für sie zu erflehen. Er hatte deutlich gehört, wie der Armenarzt bei seinein letzteil Besuche gesagt hatte: „Ja, liebe Frau, vor alleil Dingen müssen Sie kräftige Nahrung zu sich ilehmen; das ist die beste Medizin, die ich Ihnen verschreibeil kann." Ja, seine Mutter bedurfte der Stärkung; aber woher sollte er wein und alle die guten Diilge ilehmeil, die Kranken so wohl thuil? Ach, wenii er ilur einige gute Menschen fände, die feiner Bitte Gehör schenkten! Gr wollte sich ihileil ja von Herzen durch tausend kleine Dienste dankbar erweisen. Tapfer nahiil er den großen Korb seiner Mutter unter den Arm und nlachte sich auf 6en weg. Aber wo er auch anklopfte, nirgend wurde ihin aufgethan. Überall wies man ihn mit kurzem Achselzucken ab, und fein Mut entsank ihm immer mehr. Ach, ihm würde gewiß feiner eine Gabe für seine Mutter spenden und — es war gar zu traurig — er müßte dann mit einem leeren Korbe nach Hause zurückkehren! Doch einen Versuch wollte er vorher noch macheil, einen letzten Versuch. Gr trat schüchtern in das Haus eines reichen Bauern. Der nmßte für eine arme Frau gewiß etwas übrig haben! Fritz klopfte an die Stubellthür, und der Bauer, der gerade zu Abend speiste, kam wegen dieser Störwlg lilürrisch heraus und fragte ihil nach feinem Begehr. Sobald er aber die Bitte des Kleinen gehört hatte, wurde er garzornig und rief ih,n zu: „Ich habe ilichts übrig für Bettelvolk, wer arbeitet, der braucht llicht betteln zu geheil. Nun was stehst du iloch da und glotzest nlich an, du Tagedieb, du unilütziger Junge? Mach', daß du fortkoiilmst, oder ich lasse dich mit deil Hunden vom Hofe Hetzen." Grschreckt durch die ranheil Worte des zornigen Bauern, lief Fritz schnell davon. In jedenl Augenblicke glaubte er das wütende Bellen der Hunde hinter sich zu hören. (D, was sollte nun aus seiner armen, schwachen Mutter werden! Die Angst jagte ihil weiter und weiter, uild schließlich kanr er m einen großeil düstern Wald, in dem er früher niemals gewesen war. Da — o Schreck — ' tauchten rechts uild links Gestalten aus dem Gebüsche auf, liefen hiilter ihnl her und suchteil ihn zu Haschen. Zuerst glaubte er, es feien die Hunde des Bauern. Doch nein — jetzt konnte er sie deutlich in dem Mondlichte erkenneil — es waren winzige Gilonlen in faltigen grauen Gewändern und mit spitzeil, nickenden Zipfebilützen. Lang wallten ihre weißen Bärte herab, in den Händen trugen sie knotige Stöcke, mit welchen sie nach ihm schlugeil, uild in ihren Mieilen malte sich erbamungslose Wut. (D, was wollten sie ihnl thun. Sie würden ihn gewiß töten, weiln sie ihn einholten. Gr lief, so schnell ihil seine Beine tragen wollteil, aber die. f Gilonlen kamen näher und näher. Da stieß er plötzlich mit feinem Kopfe