Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 2 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Aleider, 6ic sie getragen, die kleine Bank am Ofen, die beiden Stühle und den großen, alten Tisch. „Ich bin jetzt reich," sprach er weiter, „und Du sollst es mit nur sein." Seine sonst so scharfe, harte Stimme klang weich, und über sein unschönes Gesicht siog eine fast milde Freundlichkeit, als er so zu ihr redete. Sarah lächelte müde und lehnte sich zurück. „IVas nennt mein Jakob reich?" murmelte sie, „ich kenne nur einen Reichtum, und 6cn kannst Du mir doch nicht wiedergeben; Du weißt, welch' einen vergrabenen Schatz ich meine." — „Ich weiß es, gute Rmtter, David ist tot, er konnte nichts ertragen; ich habe es gekonnt, weil ich reich werden wollte. Du weißt, es ist ein Erbteil unseres zertretenen Volkes, dieser furchtbar eiserne IDille; wir haben einen Ulillen, der alles, alles überwindet, alles erreicht; er hatte ihn nicht, er starb. Ich wollte RAistk lernen, nicht weil ich sie liebte, nein, weil heutzutage rascher reich macht als irgend eine andere Aunst, und ich lernte sie. Ulan hat mich geschlagen, getreten, gestoßen wie einen Hund, ich litt Hunger und tausend (Dualen und Demütigungen; ich ertrug alles, weil ich wollte. Nun ist's längst vorüber, mein ist Ehre und Reichtum, aber Du sollst auch wieder froh werden, Amtier!" — „Laß mich, Rind, ich trage nach nichts mehr Verlangen; für mich giebt's weder Leid, noch Freude; ich harre meines Sabbaths. Aber die Arbeitszeit währt länger, als ich. hoffe; ich bin so nn'ide!" — „Amtier, komm mit nur, ich will Dich pflegen und ehren und Dir dienen, Du sollst im Sonnenschein leben, auch mein A)eib —." „Gott segne sie, wenn sie mich wert hält mit der Innigkeit der Rinder unseres Staimnes!" — „Ich bin ein Ehrist geworden, nur so konnte ich Ansehen gewinnen, wie ich's verlangte, den „Iudenjung" sollte mir niemand mehr vorwerfen!" — „Sei reich und geachtet, mich aber laß arm und verachtet sterben!" — „Aber das U)eib, das, entzückt von meinem Spiel, Hand und Herz nur gab, wird Dich, meine Ulütter, lieben. „Deine Amtier rickllicht, die arme Jüdin aber nimmermehr!" Jakob schwieg und dachte an die vornehme Irma mit 6cu kalten Augen und stolzen Amnieren, an ihre hochmütigen Verwandten, und er seufzte und knirschte mit den Aähnen. „Geh, mein Sohn," sagte nach langem Schweigen die alte Frau, „laß mich ruhig einschlafen! Alein heißersehnter Sabbath wird ja auch Hereinbrechen über mein gebeugtes Haupt mit seinem Glanz und seinem Frieden; ich harre geduldig!" — „In drei Tagen gebe ich mein Aoncert, und am Alorgen nachher komme ich wieder zu Dir, dann mußt Du nur folgen!" Sarah schüttelte sanft den Aopf, legte still die Hand auf den Scheitel des Sohnes, murmelte einen Segenswunsch, und Jakob verließ das Kämmerchen. Er ging zmn Rabbi, entdeckte sich ihm und gab ihm Geld für die Alutter. Sie sollte fortan in einem schönen Zimmer wohnen, in weichen Betten schlafen, Pflege und Bedienung haben wie eine vornehme Frau, und das gleich am morgenden Tage. Der Rabbi versprach alles. Schweren Herzens kehrte Jakob in sein Hotel zurück. Die junge Frau lag graziös hingestreckt in einer Chaise