Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 2 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Zwei Brüder. Von Elise polko. Schluß.) Zwei Jahre waren vorbei, da brachte der Postbote der armen Jüdin itt ihr enges, dunkles Kämmerchen einen Brief. Sie steckte, zitternd über dies wunderbare Ereignis, ein Lämpchen an, öffnete und erkannte an der mühsam entzifferten Unterschrift, daß ihr Liebling David den Brief geschrieben. Lange, lange konnte sie vor Thränen nicht lesen, endlich entwirrten sich die Buchstaben. Sarah las langsam, die halbe Nacht ging darüber hin, und als sie die letzte Zeile beendet, fiel sie ohnmächtig mit dem müden Kopf auf den harten Tisch, hier ist der Brief. „Alan hat mir gesagt, liebe Alutter, daß ich bald weit, weit wegreisen soll, von der Rückkehr aber weiß ich nichts. Nur möchte ich Dich beruhigen über die neue Trennung und daß ich kein Uäozart geworden bin, arme Uäutter, damit Du Dich nicht zu sehr um Dein Rind grämst. Solltest Du nun lange, lange nichts von David hören, so traure nicht, man wird Dir bald sagen, wohin er gegangen. — wie viele, viele Tage sind gewesen, seit ich Dich zum letzten Ulal geküßt, wie gern möcht' ich meine lDangen an Dein gutes Gesicht drücken. Ob Du wohl viel geweint hast über uns? Ich habe auch geweint um Dich, und ich bin unglücklich gewesen, nun aber ist alles vorüber, und ich bin glücklicher, wie ich Dir beschreiben kann. Sieh, liebe Amtier, da wollten sie mich zwingen, allerlei sonderbare Dinge zu lernen; ich wollte ja ein Alozart werden, sagten sie. Die Noten sollte ich lernen, Generalbaß studieren, eine Schule durchmachen, und da schraubteil sie meine Hände fest an die Tasten, und da durfte ich nicht mehr spielen als fünf Töüe, und endlich acht u. s. w. Alusik durfte ich nicht höreil, das zerstreue ilur, meinte unser Lehrer. Gr ließ mich auch nicht hiilaus geheil in's Freie, und später nur dann und wann auf einige Almuten. Aber weine nicht deshalb, gute Amtier; ein Baum stand ja vor denl Fenster meiiles kleinen Zimmers und so nah, daß ich sie fassen konnte die liebeil Blätter, und da hatte ich ja geilug des süßen Grüns, hätte ich bester gelernt, so hätte man mir wohl mehr Freiheit gegeben, aber ich verdiente die Strafe, ich war so ungeschickt, so ungelehrig, nichts, nichts merkte und begriff ich! Ach, die Amsik, die man so erlernen kann, muß doch eine andere sein, als die, von der ich innner geträwllt; es muß doch eine aildere Tonkunst geben, als die erlernte, sonst wäre auch Alozart nicht gewesen, nicht wahr, Alutter? In inir fingt und klingt es unablässig, aber gailz anders wie da draußen! Diese 'vielen gelehrten A)orte, ach! wer sie verstehen kömüe! diese vielen kleinen und großen, dicken uild dünnen Noten, wie sie mich verwirrten! Sie tailzten vor vlir auf uild ab wie Gespenster; sie neckten mich, kletterten auf den Notenstrichell auf wld nieder uild schlugen allerlei Purzelbäume. Zuweilen verlor ich vor Angst die Besinnung, wenn das strenge Auge meines Lehrers nnch ansah und nach