Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 1 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 bescheidenes (Dbdach für die Rächt. Aber die Leute waren schlecht und wollten die schone Tugend der Gastfreundschaft nicht üben, wohin auch Rabbi Akiba kam, überall wies man ihm barsch die Thür. Das erzürnte jedoch den frommen Alaun nicht, er war von fugend auf gewöhnt, jedes Ereignis als eine Fügung Gottes anZnsehen. -lvenn ihm mm etwas Unangenehmes widerfuhr, so erinnerte er sich seines Wahlspruches: „was Gott thut, das ist wohlgethan", das that er denn auch heut. Ruhig und gelassen verliest er das Städtchen, mn im Freien Zn übernachten. Da es aber eine stockfinstere Rächt war, so wollte sich der Rabbi wenigstens eine geschützte Stelle aussnchen und Zündete deshalb ein Licht an. Kaum aber hatte es einen Augenblick geleuchtet, so kam ein heftiger windstost, löschte das Licht ans und schleuderte es Zur Erde. Doch Rabbi Akiba wurde auch darüber nicht unwillig. Furcht kannte er nicht, da er wußte, datz Gott ihn überall schützte. Tr gab noch schnell dem Tsel, auf dem er geritten war, und einem Dahn, den er bei sich hatte, Futter und legte sich unter freiem Dimmel Zur Ruhe nieder. Eben war er sanft eingeschlummert, da kam ein Löwe, der durch sein Gebrüll ihn aus dem Schlummer aufscheuchte. Bevor er sich noch recht ermunterte, hatte der Löwe den Tsel gepackt und trug ihn im Rachen mit mächtigen Sprüngen davon. Ts dauerte nicht lange, da schlich sich leise ein Fuchs heran und fräst den Dahn. Als Rabbi Akiba beim Morgengrauen nach tiefem, erquickenden Schlafe erwachte, da sah er sich verlassen. Seine treuen Reisegefährten waren eine BeuK wilder Raubtiere geworden. So trat er denn Zu Fuß und allein seine Weiterreise an. Rach wenigen Schritten schon begegneten ihm Scharen von Leuten, die in fliegender Hast aus dem Städtchen kamen, sshre Kleider waren Zerfetzt, Zahllose Wunden, aus denen das Blut hervorrieselte, bedeckten ihren Körper. Doll Mitgefühl erkundigte sich der weise nach der Ursache ihrer Flucht. Da sprachen sie: „Diese Rächt hat eine blutdürstige und habgierige Räuberbande unser Städtchen überfallen. Die Bewohner wurden erschlagen und ihrer Güter beraubt, nur wenige blieben am Leben, um als Sklaven verkauft Zu werden, wir sind die einzigen, welche mit Blühe 6em Blutbade entronnen sind. Richts ist unser als das nackte Leben." Rabbi Akiba hatte der Erzählung tief bewegt Zugehört. Denn wieder einmal in seinem wechselvollen Leben hatte sich sein Wahlspruch glänzend bewährt. wäre er in der Stadt geblieben, so hätte er gewiß das schreckliche Los ihrer Bewohner geteilt, wäre das Licht nicht erloschen, so hätte sein Schein den Aufenthaltsort des Rabbi verraten; wären der Tsel und der Hahn nicht durch wilde Tiere umgekoinmen, so hätten sie durch ihre Stimme die Aufmerksamkeit der Räuber auf ihren Herrn gelenkt. So hatte ihm Gott wieder