Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 1 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Sprachen übersetzt worden sind. Es sind diese zum Teil Bruchstücke eines grossen Werkes, eines Commentars über die mosaischen Schriften, die er nicht blos nach dem buchstäblichen Sinne, sondern sinnbildlich allegorisch erklärt. In seiner tief-innigen Anhänglichkeit an seine Religion und seine Ration war sein aufrichtigstes Streben dahin gerichtet, den heiligen Schriften das ihnen gebührende Ansehen bei den heidnischen Philosophen zu sichern. Ferner sind es besondere Abhandlungen über den Ursprung des Uebels, über das Leben Mose’s, über die wahre Freiheit des Tugendhaften, über das beschauliche Leben, über Ruhm und Ehre, über die Vergänglichkeit der Welt, wie auch noch einige historische Schriften. Einige halten ihn auch für den Verfasser des aprokryphisehen Buches ,,Weisheit Sehelomoh’s.“ Man sollte glauben, dass, da diese Studien ein zurückgezogenes Leben verlangten, und er auch zu einem solchen hinneigte, er sich den öffentlichen Geschäften entzogen habe; und doch war dies gar nicht der Fall, wenn der Ruf zur Thätigkeit an ihn erging, indem ihm das Wohl seiner Nation und Glaubensgenossen zu sehr am Herzen lag. Er zeigte diese Thätigkeit zuerst, als der judenfeindliche Apion*) die Juden bei dem Kaiser Galigula verleumderisch angeklagt hatte, das sie nicht wie alle seine übrigen Unterthanen ihn als einen Gott verehren wollten, indem Philo an der Spitze einer Gesandtschaft nach Rom reiste, um sie zu verteidigen. Aber auf Anstiften eben dieses Apion wurde die Gesandtschaft beim Kaiser nicht vorgelassen und musste unverrichteter Sache wieder nach llause reisen; Philo aber, der sich ungern abweisen liess, geriet durch seine wiederholten Bemühungen, sich Gehör zu verschaffen, in Lebensgefahr. Nachher schrieb er eine ausführliche und sehr lesenswerte Verteidigungsschrift seiner Glaubensgenossen, welche nach dem Tode Caligula’s im Senate zu Rom vorgelesen wurde. Von seinem übrigen Leben wissen wir nichts weiter, als dass er im Greisenalter noch einmal, jedoch auf eigenen Antrieb, in Rom gewesen und vom Kaiser Claudius sehr gnädig und mit vielen Ehrenbezeugungen aufgenommen worden sei. — Zur Unterscheidung von einem andern, spätem Philosophen gleichen Namens, wird dieser auch Philo Judäus genannt. I)r. J. II. Jacobson. Erzählungen aus dem Talmud. von Br. AI. Doctor. Breslau. I. „Was Gott tbut, das ist wohlgethan". (Bilift befand sich der fromme und hochgelehrte Rabbi Akiba auf einer Reise. Ermattet kam er eines Abends in ein Städtchen. Dort bat er um