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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 1 (1897) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
1 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 schauen versuchte, war er entzückt von der Schönheit der Blumen, die im Garten wuchsen, und betrachtete dann traurig sein eigenes, mißgestaltetes Bild im Bache. Verließ aber eine der Blumen den Wundergarten, um in den umliegenden Melden Stoff zu neuen Liedern zu sammeln, so war Käferlein hoch beglückt, wenn er einen Blick oder gar ein Wort von ihr erhaschen konnte. „Sieh' nicht inuner nach den Blüten, es sind Gistblumeu; alles, was in dem Wundergarten lebt, ist schlecht und giftig," warnte inan den Aaser. Käferchen lächelte, seine Lieblingrblüten waren keine Gistblrnnen, das wußte er genau, da war die Bose, die er innig liebte, seit er sie zum ersten Male gesehen, da war das liebliche Maiglöckchen, das ringsumher die Lust mit Wohlgeruch erfüllte. (D, die Blumen waren lieblich und schon! War das Maiglöckchen das Bild eines heiteren Frühlingstages, so glich die volle, dunkelrote Bose einem herrlichen Sommermorgen. Die Bose liebte ernste, getragene Melodieen, mächtig wie Gewittersturm ertönte ihre Stinnne, wenn sie em wildes, leidenschaftliches Lied anstimmte; das Maiglöckchen dagegen bevorzugte sanfte, heitere IVeisen, seine Glocken klangen hell und rein durch den Garten, drangen noch über die Mauern ins unlliegende Land, und verbreiteten überall Freude und Heiterkeit. Maiglöcklein versuchte, den Aaser singen zu lehren, aber ach, das war eine gar schwierige Ausgabe, denn Aäserchen war eben nicht musikalisch und hatte eine sehr dünne, schlechte Stimme. früher, als er noch ganz klein und juag war, hatte er eine sehr schöne Stimme, aber weil er eingebildet und eitel darauf war, hatte ihm der liebe Gott in gerechter Strafe die Stinnne wieder genommen. Gs waren schöne Stunden für den Kleinen, wenn die reizende Maiblume ihm mit der Geduld eines Engels wieder und immer wieder vorsang und ihn dann, die Melodie nachsingen ließ, herrlich schölle Stunden! Und doch durchzuckte ihn manchmal ein bittres Weh, wenn er sich des Unterschiedes zwischen seinem Mollen und seinem Können so recht klar bewußt wurde! So schwanden die Jahre, aus dem Aäserlein war ein alter Käser geworden, noch häßlicher, als in seiner Jugend. Seine thörichte Leidenschaft aber glühte noch eben so stark in ihm, wie früher" hier unterbrach die Tulpe den Schmetterling: „Aber das ist doch gar keine richtige Geschichte, die hat ja keinen Schluß, sage doch, was wurde aus dem dummen Käfer?" „Keinen Schluß?" erwiederte sinnend der Schmetterling, „was wurde aus dem Käfer? Diese Frage ist schwer zu beantworten, ich kenne das Schicksal des Tierchens nur bis hierhin, einmal träumte ich von ihm." „Und was träumtest du? Bitte, bitte, erzähle!" baten die Krokusblüten. Der Schmetterling fuhr fort: „An einem herrlichen Sommerabend war Käferchens Sehnsucht auf's höchste gestiegen; tausend Helle Stimmen tönten

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