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Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 1 (1897) · p. Seite 9

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
1 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 essen, weil schon der Anblick des Essens an sich in gewisser Beziehung sättige. An der Abendmahlzeit nahmen in der Regel alle Glieder des Hauses teil. 2. Für die Ernährung und Erhaltung des Dauses sorgte in Israel der Mann. Keine der weiblichen Gestalten des biblischen Schrifttums arbeitet für den Mann oder an seiner Statt: Rahel und Lea erscheinen nur so lange als Wirtinnen, als sie Labans Töchter sind; sobald Jacob sie heimführt, weilen sie im Zelt daheim, während er, als Hirte Labans, die Herde auf die Trift treibt; auch die Töchter Iethros, des midianitischen Priesters, treiben das Vieh ihres Vaters zu den Tränkrinnen; sobald aber Zippora die Gattin des Moses geworden, zog er mit den Schafen seines Schwiegervaters in die wüste. — Die Muße benutzte das israelitische Weib, um Gegenstände für des Hauses Bedarf zu verfertigen; war dieser gedeckt, dann wurdet was ihre Hand geschaffen, dem kanaanitischen Kaufmann zu Rauf dargeboten. 3. Ein anderer Grundsatz, der im jüdischen Haushalte maßgebend geworden, schärft ein, mehr Gewicht auf Kleidung als auf das Essen zu legen: bringe Teures auf deinen Leib und thue Billiges in deinen Leib! Aut aller Eindringlichkeit wird betont, die Art der Ernährung müsse den Vermögensverhältniffen entsprechen: besitzt jeinand nur eine Mine, dann kaufe er ein Liter Kraut; besitzt er zehn Minen, dann kaufe er ein Liter Fische; besitz er fünfzig Annen, dann kaufe er ein Liter Fleisch; besitzt jemand hundert Annen, dann setzt man ihm täglich einen Topf auf den Herd. Nur selbst erarbeitetes Brot schmeckt gut, macht froh und bringt heil (Ps. 123,2); finster aber ist die Welt für jenen, der auf den Tisch anderer hoffen muß— sein Leben ist kein Leben; darum ziehe lieber dem Aase das Fell auf der Straße ab, mache deinen Sabbath dein Arbeitstage gleich (betreffs des Essens), aber nimm nicht Menschen in Anspruch! Nur derjenige, der Vater und Mutter zu ernähren hat, aber nichts besitzt, darf betteln. Diesem Grundsätze gemäß war das Mahl, namenlich in der ältesten Zeit, äußerst einfach, was sich am deutlichsten in der Art, wie Abraham seine Gäste bewirtete, zeigte: „Iß Zwiebeln und sitz im Schatten (in Ruhe), iß aber nicht Hühner und Gänse mit anmutigem Herzen! Am Morgen nahm man Brot und etwas Geröstetes oder Milch zu sich, a n Abend wurde Fleisch genossen. 4. Mahlzeiten, die mit der Erfüllung einer religiösen Pflicht in Verbindung standen, wie das Mahl bei Hochzeiten, Beschneidungen u. dergl., wurde voil solchen, die einfach der Geselligkeit wegen veranstaltet wurden, unterschieden. Gelehrte sollten nur an Mahlzeiten elfterer Art teilnehlilen, sollten nie in der Gesellschaft roher, unwissender Menschen zu fiuöeu sein: eill Gelehrter, der allenthalben zu Tische bleibt, zerstört sein Haus, macht fein Weib zur Witwe und seine Kinder zu Waisen; sein wissen schwindet, er entfacht Streit, und sein Wort findet fein Gehör; er entweiht den göttlichen rt

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