Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1897-01-01 · 1 (1897) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
3 (1897)
Issue
1 (1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9620171-9626621-9621672--0447-9621679
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

auch," murmelteV3acob, „seine Kunst kann also kein hexenwerk sein!" David küßte die Karte und preßte sie sest zwischen seine Hände, ängstlich um sich blickend, ob auch niemand den Schatz ihm zu entreißen trachte. Das Toncert begann mit wozart's Ouvertüre zum Don Juan. Jacob hatte dreist seinen j)latz dicht anr Orchester gewählt, er wollte durchaus den Künstler spielen sehen; mehr, verlangte er nicht. David war von ihm weggedrängt worden und saß hinter einer Säule am Lude des Sales. Als nun' die großartige wusik. daher geschritten -kam und wie ein Sirnson an der Säule rüttelte; die den bebenden Knaben verbarg, da zerriß der Schleier vor seinen Augen;-das ist wahre wusik, sühlte er, erkannte er. Seine Hände fielen zitternd ineinander, sein erschütterter Körper lehnte sich gegen die Säule; so empfing er den Gruß des hehren Wozart-Genius. — Es giebt bevorzugte Seelen, denen in einem womenle der Entzückung das Verständnis von Dingen aufgeht, über denen die meisten anderen ein wenschenleben lang vergebens brüten. So David. Gr begriff die Herrlichkeit wozart's, dessen Namen er mühsam auf dein Programm zu entziffern vermochte, Dank sei es seiner Iudenschule. „Solche Wunder schaffen, wie er!" Machte er immer und hörte nicht, wie der fremd' virtuose in kunstvollen Gängen auf- und niederwogte, stürmte, säuselte und stog, er hörte nicht den Beifallssturm der Wenge, er kani erst wieder zu sich in den warmen Wellen des blumengeschniückten Stromes der Pastoralsymphonie Beethovens. Träumend ließ er sich am Schluffe des Toncerts vom Bruder fortziehen, träuinend hörte er die Frage des fremden Künstlers: „was wollt ihr denn werden, Ihr armen Schelme?" Da überflutete ihn plötzlich eine Helle Begeisteruiig, und er hob die wunderschönen Augen aus zu dein Frager und sagte feft: „Ich will ein wozart werden!" — „Und .ich will spielen lernen und Geld verdienen, wie Ihr!" ries Jakob. Und der reiche berühmte Virtuose lachte und erbot sich, beide Knaben nach Berlin zu bringen, dort. entern tüchtigen Lehrer zu übergeben und aus feine Kosten sie zwei Jahr lang in, der wusik unterrichten zu lassen. Wan erstaune nicht allzusehr, es .war kein Edelmut, der den Künstler zu dieser allerdings auffallenden Handlung trieb, auch kein wahres tiefes wusikintereffe: es war eben nur eine Laune. .Der große Herr wünschte auf eine recht pikante weise ein stürmisches Interesse zu erregen und griff zu diesen: ihn: in den weg tretenden Wittel. Sein Zweck wurde vollständig erreicht, was ihn sehr vergnügt machte; die romantische Geschichte machte die Runde durch alle Zeitungen, begleitet von den ganghastesten Zusätzen und Randglossen, die alle seiner erstaunenswerten Großmut galten. In zwei Jahren komme ich selbst nach Berlin," hatte er zu Öen Knaben gesagt, „dann werde ich sehen, was Ihr gelernt; für den, der fleißig war, werde ich weiter sorgen!" Nach der armen Sarah fragte natürlich niemand. Das Iudenweib wird froh sein, die Kinder los zu werden, dergleichen Gesindel verschachert ja

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.