Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 1 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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legen konnte zu Accorden und Blelodieen, wie feine Seele es träumte. Kam er nach Hause zurück, so sang er leise stundenlang vor sich hin und bürstete dabei die alten Kleide.', die seine Mutter austragen wollte, mit einem säst strahlenden Gesicht. Jacob schalt ihn oft trag und ungeschickt; David gab ihm mit thränenfeuchten Augen Recht, versuchte wohl auch mit Blumen an den Garten sich aufzustellen, aber wenn der erste Ton die £uft durchzog, sing er an zu zittern, ließ die Blumen fallen, oder schüttelte sie dem ersten besten Kinde in den Schoß und kroch in sein Winkelchen. „Mutter, wenn Du nur einmal dabei sein und hören könntest, was ich höre!" sagte er oft beim Schlafengehen zur armen Sarah, die am späten Abend die Garderobe ihrer Kinder auszubessern pflegte, damit sie ordentlich einhergehen möchten, „Du würdest Deine ganze Plage vergessen und Dein schweres Leben und reich und froh werden, wie ich! Bersuchs einmal!" — „Da sollte es schlinun aussehen um uns, wenn die Mutter sich bei der Musik hinstellen und zuhören wollte", warf Jacob unfreundlich da zwischen; „wer sollte uns denn zu essen und zu trinken schaffen? Du vielleicht?" And David wandte sich traurig ab, Sarah aber streichelte sanft und innig das weiche haar ihres Lieblings und sagte: „Wenn Euer Bater noch lebte, hättet ihr wohl ein Instrument lernen können, und wer weiß, ob nicht gerade David seine Eltern reich gemacht." Die Knaben waren etwa elf Jahre alt geworden, als ein unbedeutender Zufall über ihr ferneres Geschick entschied. Tin berühmter Tlaviervirtuose besuchte auf seiner Reise nach Wien die Baterstadt der beiden Brüder und kündigte daselbst ein Toncert an. Sein Ruf hatte die halbe Welt durchflogen; man drängte sich also zu den Billets, obgleich sie zu einem hohen Preise verkauft wurden. Jacob und David standen schon lange vor Beginn des Toncerts am Eingänge des Saals; ersterer hatte sich dicht an die Kaffe gedrängt und zählte voller Staunen mit den Augen die Einnahme des Billetverkäufers. „Wer es auch so weit bringen könnte," sagte er halblaut zu seinen: Bruder. „Wir wollen bitten, vielleicht läßt man uns hinter der Thür lauschen," erwiderte dieser, den Ausruf anders deutend. Die Knaben baten den sortier, dieser aber wollte nichts davon hören und nichts erlauben. „Was versteht Ihr Iudenjungen von Musik!" sagte er roh, „was kann Euch daran gelegen sein, hinter der Thür zu frieren?" — „CD für die Blusik könnte ich noch mehr als das," rief David. „Nein, das ist wahr, hinter der Thür hilft's mir nichts," setzte Jacob hinzu, „da kann ich ihn nicht spielen sehen, und ich muß es ihm abgucken, ich muß reich werden, wie er!" „hier sind zwei Karten für die Kinder," sagte ein blasser Herr, der unbemerkt herauf gekommen und einen Teil des Gespräches gehört hatte; „und nach dem Toncerte wartet auf mich, ich will noch mit Euch reden." Der Tastellan verbeugte sich tief. „Das war Er," sagte er nach einer Pause, fast feierlich zu den erstaunten Knaben. „Er sieht aus wie andere Menschen