Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- 1 (1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sammelte auch zuweilen, um einige Pfennige, für die 2Hufifanten ein. Sein äußeres war unschön, seine Figur plump, die Haltung gebückt, der Gang hastig und ungeschickt, die Bewegung eckig. In den schmalen, schwarzen Augen lag eine Welt voll Willenskraft und Beanlagung, und in ihrem Ausblick Aalte und Schlauheit. — David war ganz das Gegenbild seines Bruders, sehr groß für sein Alter, schlank, von leisem und scheuen Wesen und von jener vollen und schwermütigen Schönheit, von jener Formenbildung, die, wenn sie in reiner und ausdrucksvoller weise erscheint, ganz unwiderstehlich anzieht und fesselt. Sein Blick war hinreißend in seinem melancholischen Feuer, die Gesichtsfarbe ein matter, bräunlicher Ton, doch «ohne Wangenrot, die Zähne wunderschön und das tief schwarze haar leicht gelockt, wie oft blieben Frauen und wänner bewundernd stehen vor dem ärmlich gekleideten Iudenknaben und schenkten ihm freiwillig eine Aleinigkeit, Geld, Blumen, Näschereien, die er alle sogleich zu seiner wutter brachte. Als ganz kleines Aind achtete er schon aus das Summen des Wasserkessels, aus das Zirpen des Heimchens und das Gezwitscher der Bögel, und später konnte er stundenlang an einem kleinen wassersall sitzen, der die Promenaden der Stadt schmückte, und aus das Geräusch der fallenden Tropfen hören. Bor den Airchenthüren den Alängen einer Orgel zu lauschen, war die höchste seiner Freuden, und da achtete er weder Frost, noch Sonnenglut, geduldig harrte er auf den Steinen, bis die wunderbaren Töne herangezogen, um ihn anzuhauchen mit ihrer heiligen Glut. Einmal im strengsten Winter fand ihn der alte Dom-Organist halb erfroren an einer Seitenthür kauern, und als das Aind auf seine dringenden Fragen dem warmblickenden wusiker erzählte, was ihn auf diese Schwelle bannte, wies dieser ihm für jeden Gottesdienst ein verstecktes Plätzchen in der Nähe der Orgel an. Auch lud er ihn in sein Haus ein, nnd als der Anabe umklich einmm freudezitternd kam, spielte er ihm Bacp'sche Fugen und Lhoräle vor. Leider währte dies Glück nur kurze Zeit: der alte wann starb, und sein Nachfolger war weniger herzenswarm' gegen den armen Iudenknaben. Im Sommer begleitete David seinen Bruder in jene öffentlichen Gärten, in denen wusikchöre spielten, zu welchem Genuß das Publikmn sich zu drängen pflegte. Die Ainder durften natürlich nur draußen stehen, aber da ersann Jacob allerlei, um einen kleinen Gewinn zu erzielen. Bald trat er, die Schuhbürste in der Hand, dienstfertig den Ankommenden entgegen und säuberte geschickt die bestäubten Stiefel der jungen und alten Herren; bald bot er selbstgeschnitzte Zahnstocher feil, bald säubergedrehte Fidibusse, zuweilen auch Sträußchen einfacher wiesen- und Waldblumen, denen er aber durch zierliche Anordnung ein gewisses Ansehen zu geben verstand. Tr n hm auch immer einige Groschen ein, die er zu Hause in ein altes Tuch band und in sein Aopfkissen versteckte. David war zu alle dem nicht zu gebrauchen. Tr saß still hinter der Hecke, möglichst entfernt vom Orchester, damit die Töne recht gedämpft und verworren zu ihm drangen und seine Phantasie sie sich zurecht-