Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 24 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Uber diese Schneefläche schleppt sich nun ein armes, kleines Wesen, mutterseelen allein, mühselig dahin; das ist Irma. Sie ist hungrig und müde, so sehr müde! Dabei friert es sie in allen Gliedern. Ihr Füße wollten sie nicht mehr tragen; sie kann nicht weiter. Butten in den: Schneefelde muß sie sich niedersetzen. „Ach," denkt sie, „wie gut, daß -Vater und -Butter nicht wisse,!, daß ich hier so verlassen sitze! wenn sie's wüßten, es wäre gar zutraurig!" Da, o neuer Schrecken! welch ein fürchterliches, wildes Geheul erschallt von fern her? „Wölfe, Wölfe! Das sind Wölfe," schrie Ir,na, aus ihrer Betäubung auffahrend. Und innner näher, näher kam das Geheul. Flehend streckte Ir,na die Anne zum Himmel empor. „Lieber Gott," rief sie, „Vater und Bcutter haben ,nich gelehrt, daß du gut und ,nächtig bist, o, so hilf, hilf mir! Und weiter, weiter läuft sie. Da, o hinunlische Güte! — ist dies ein Licht, das von ferne Herschi,nmert? Irina eilte darauf zu. Ja, ein Licht! Je näher sie konnnt, desto größer tritt es hervor. Jetzt erkennt sie es genau, ein erleuchtetes Fenster ist es. Hinter den Eisblumen, mit denen es überzogen ist, blinken und winken ihr freundlich sechs Lhanukalichter entgegen. Sie hat endlich das Fenster erreicht; sie hat noch die Araft, an's Haus zu klopfen, dann sinkt sie bewußtlos auf die Thürschwelle hin. Die Wölfe heulen und schnauben von den Feldern herüber, doch der inenschlichen Wohnung zu nahen, wagen sie nicht. Drinnen hatte man das Alopfen gehört. Die Leute kamen heraus, trugen das ohinnächtige Buidchen in's Helle, freundliche Zimmer und gaben sich alle Blühe, es wieder zu,n Leben zu bringen. Als Ir,na endlich wieder zu sich gekonnnen war, gaben sie ihr erwärmende Nahrung und legten sie in ein reinliches, warmes Bett, wo sie sogleich in einen sanften, erquickenden Schlaf fiel. Als sie wieder erwachte, war es Heller Tag. Die freundliche Frau des Hauses stand neben ihren! Bette. Ir,na glaubte anfangs, sie habe alles das, was sie gestern erlebt hatte, nur geträmnt. Nach und nach sanunelte sie ihre Erinnerungen; sie wüßte nun, sie sei aus jenen, häßlichen Hause entwichen, wie freute sie sich, und wie sehr dankte sie Gott dafür! „Doch, wo bin ich jetzt?" fragte sie sich, „wen, gehört dieses wunderschöne Zimmer? wer ist die alte Frau, mit den, guten, lieben Gesichte?" plötzlich siel ihr ein, ob ihr nicht die Zigeuner Nachkommen, sie wieder mitnehmen werden, und angstvoll faßte sie die Hände der freundlichen Frau und rief flehend: „Jagt sie fort, die Zigeuner, wenn sie konnnen, — 0, gebt nicht zu, daß sie mich mitnehrnen! Laßt mich hier, ich bitte, ich bitte!" Die alte Frau sprach ihr beruhigend zu, sie solle sich nicht fürchten; nie,„and werde ihr hier ein Leides thun dürfen, sie solle da bleiben, so lange sie wolle. Als Ir,na aufgestanden und angekleidet war, brachte ,nan ihr das Frühstück. Später kan, auch öcr Hausherr herein. Er hatte araue Jinrnv