Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 24 (1895) · p. Seite 379

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
24 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/9620171-9621231-9621636--0418-9621643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

379 „Ah, vielleicht geht sie fort!" dachte Irma. Flugs war sie am Fenster und schaute hinaus. Richtig, dort ging Etelka schon um das Haus herum und verschwand hinter der Ecke. „Jetzt will ich auch fort!" Bei diesem Gedanken pochte Irn^a's X7C15 gewaltig. Aber wie sollte sie entfliehen? Die Thüreil waren verschlossen, die Doppelfenster von außen vernagelt; sie war ja wie ein armes Böglein im Aasig eingesperrt! Und wie ein solches Böglein von sprosse zu Sprosse springt, einen Ausgang zu suchen, so laust Irina jetzt in der Stube umher, zu Fenstern und Thüren. Sie rüttelt daran, was sie nur kann. Bergebens! Aeines giebt nach, sie sind ach, allzufesi verrammelt. Doch — welche Freude! in der Thür, die zmn Ubungssaale führt, sieht sie 6cit Schlüssel stecken. Etelka hatte vergesseil, ihn abzuzieheii, nachdem sie vorinittags drinnen getaiizt hatten. Rasch erschließt Irma jetzt deil Saal und eilt hinein. Da sind einfache, vielleicht nicht schwer zu öffnende Fenster. Sie läuft ail eines derselben und versucht es zu öffneil. Bein, es geht nicht leicht; es ist verquollen. Doch Irnla wird stark durch ihreil starken Willen. Ein fester Ruck voll der flehten Hand, und „knaks,, springt es auf. Zugleich aber zerschellt eine Scheibe und die Scherbeil falleil klirreild zu Boden. Der Hund draußen fäilgt zu belleil ail; eines der schlafenden Ainder in der Stube drinnen regt sich. Irma bleibt atemlos stehn. Bach einer Weile wird der Hund still, uild das Aind schläft wieder ruhig. Schnell greift null Irma ilach ihrer Haube und ihreiil Tuch und mit einem Sprunge ist sie draußen. Sie klettert nur noch über den niedrigeil Garteilzaull und — ist frei! frei! Auf einem Fußpfade, der in die Weite führte, eilte sie fort, mit Freude mld Angst im herzeil. Doch sie hatte jetzt liicht <^eit sich zu freuen. Sie iilußte ja laufen, laufeil so viel sie llur koililte, damn nieinand sie sehe, niemand sie einhole. Bei jedeiil Geräusche zitterte sie; alle Augeilblicke sah sie sich tun, ob man sie ilicht verfolge. Der Hund ail der Aette hatte so sehr gebellt! Wenn Etelka liicht weit geweseil, nach hailse gekoiiliilen wäre, sie vermißt hätte uild ihr mit dem Hunde nun ilachkänte! Etelka ist so groß und stark; der huild so wild; sie selber aber so kleiil und schwach — sie würden sie zurückschleppen in die Zigeunerstube, zu 6em bösen, alten Weibe! „0 Gott, nur das ilicht, nur das ilicht!" rief Irma uild rmnite fort, fort! So äilgsiigte uild sorgte sie sich. Als sie eildlich sah, daß sie ilicht verfolgt werde, ja daß sie ilicht einiilal jelnand begegile, wurde sie ruhig und ging iilUtig vorwärts. Wohiil sie fommcit werde, wußte sie ilatürlich nicht; doch daran dachte sie wenig, sie wollte nur weit, weit weg von deiil verhaßteil Hause fein. B lehrere Stunden war sie schoil gegailgeii. Die Sonne war verschwunden, es wurde Bucht. Weit uild breit war in Baunl, keiil Haus, feine Wlenschens/ele. Bichts war zu schaueil, als hoch obeil die Sterile, die so erilst, so schaurig funkelteil, uild unten die weite, endlose Schileefläche der j?ußta.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.